Sommer. Nacht. Traum.

Die Hitze des Sommers fließt über das Land. Es ist noch nicht Mittag, aber man kann bereits erahnen, wohin die Reise des Thermometers heute gehen wird.
Luft wie aus einer Esse strömt mir entgegen, als ich die Tür öffne. Allerdings ist sie feuchter, umschließt mich mit ihrer fast flüssigen Konsistenz.

Ich habe von dir geträumt heute nacht. Nachdem ich endlich schlafen konnte.
Ich habe geträumt, wie diese eine, diese erste Nacht bei dir hätte verlaufen können. Wie sie hätte verlaufen sollen. Wie du mir die Body Lotion von deinem Fensterbrett in die Hand drückst, nachdem du ausgezogen und nackt auf deinem Bett liegst. Wie ich sage, daß sei wohl eine Aufforderung zum Massieren. Wie du antwortest, du hättest gedacht, es sei eine Aufforderung zum Sex.
In diesem Moment bist du noch immer die eine Person aus deinem Wohnzimmer.
All das entspricht den Tatsachen. aber in meinem Traum küssen wir uns und ziehen uns gegenseitig aus. Das ist geträumt. Du berührst mich nicht, nachdem du mich in dein Schlafzimmer gezogen hast.

Du spottest noch, daß jetzt das kalte Weiße kommt. Ich lache und sage, daß das nicht passiert. Denn ich wärme die Lotion natürlich in meinen Händen an, bevor ich sie dir auf deine Schultern lege. Ich habe das über ein Jahrzehnt nicht mehr gemacht. Aber ich erinnere mich. Meine Hände verteilen Himbeer-Lotion auf deinem Körper, wandern über Schultern, Arme, deine Rippen, weiter nach unten. Jeder Quadratzentimeter von dir ist ein Gourmetfestival für meine Fingerspitzen. Du bist so unglaublich jung.
Du nimmst die Massage hin, liegst auf deinem Bauch, läßt dich verwöhnen. Du bist jung, aber du weißt in dem Moment eindeutig, was du willst.

Wer noch nicht 18 ist: Weitergehen, es gibt hier nichts zu lesen!

Deine Beine sind dran. Sie sind dir zu fett. Überhaupt hast du ein gestörtes Verhältnis zu deinem Körper. Das weiß ich zu diesem Zeitpunkt bereits. Eines deiner häufig benutzten Worte am Telefon ist „Au“. Weil du wieder nicht aufpaßt und irgendwo vorläufst. Weil dir deine Nieren weh tun. Würde ich auch, wenn mein Besitzer nur einen halben Liter am Tag trinkt. Das gilt auch für deine Kopfschmerzen. Und drei Streifen Paprika sind auch kein Frühstück, wenn man danach bis abends um neun an der Uni rumfällt. Hände gleiten über deine Hüften, widmen sich deinem Prachtarsch.

Du hast mir direkt zu Beginn ein Bild von dir geschickt. Mehrere Bilder. Recht freizügige Bilder für die Tatsache, daß wir uns in dem Moment erst ein paar Stunden unterhalten haben.
In Unterwäsche. Durchsichtiger Unterwäsche. Du von hinten, auf der Seite liegend, eine klassische Photopose. Der Schwung deines Beckens und deiner Hüfte macht mich irre. Ich habe es dir gesagt. Ich war schon immer das, was man getrost arschfixiert nennen kann bei meinen Freundinnen. Du erwiderst nur, dein Hintern gefalle dir nicht. Ich grinse. Keiner Frau gefällt ihr eigener Hintern. Scheint ein Naturgesetz zu sein. Du hast einen Arsch, bei dem kein echter Mann seine Hände bei sich behalten könnte, wenn er hinter dir steht. Egal ob nackt oder nicht.

Meine Hände graben sich fordernder in dein Fleisch, in zupackender Bewunderung. Ich beuge mich hinunter und küsse dieses Prachtstück, das dir nicht gefällt. Wie ein weiches, unglaublich warmes Kissen unter meinen Lippen. Ein festes Kissen, das sich sofort wieder auffüllt, wenn man eine Delle hineindrückt. Wieder dieser Geruch, der zwischen deinen Beinen aufsteigt. Ich schiebe meine Hand dazwischen. Du öffnest dich bereitwillig meinem Zugriff. Meine Finger verschwinden in dir.
Und da ist wieder der Traum, denn du bewegst dich auf meinen Griff zu, drückst dich meinen Fingern in deiner Fotze und meinem Daumen in deinem Arsch entgegen. In der Wirklichkeit dieser Nacht bewegst du dich von mir weg, versuchst tatsächlich, mir zu entwischen.

Die Frau, die ich etwas später umdrehe, ist nicht mehr die aus dem Wohnzimmer. Du bist jetzt die andere. Die Devote. Die bis zur Selbstverleugnung Unterwürfige.
Wir haben uns von Anfang an über unsere Phantasien ausgetauscht, schon nach ein paar Stunden. Du weißt, was ich jetzt will. Wir haben das quasi verabredet.
Aber du tust nichts. Du versuchst weiter, meinen Zärtlichkeiten zu entkommen. Ich verfolge dich über das Bett. Als müßte ich erst eine Beute stellen.
Du faßt mich erst an, als ich dich darum bitte. Aber das tue ich gar nicht. Ich befehle es dir. Das fällt mir aber erst auf, als du deine Hände um meinen Schwanz legst. Ich drücke deinen Kopf nach unten, erteile eine weitere Anweisung. Ich komme mir seltsam vor dabei. Du tust, was ich dir sage. Oder besser, du versuchst es.

Du hast nicht gelogen am Telefon. Offensichtlich hast du keinerlei Ahnung von dem, was du da tun sollst. Ich bin irgendwo zwischen verblüfft, amüsiert, enttäuscht und versucht, deinen Kopf weiter nach unten zu drücken. Du bist eine kleine, geile Nymphomanin, die es nicht oft genug kriegen kann. Aber du hast es dir noch nie selbst gemacht, sagst du. Du hast sexuelle Erfahrungen auf einem Gebiet, das mir völlig neu ist. Du sagst selber, du hattest noch nie einen Orgasmus. Ich habe das angezweifelt. Du bist ein Ausbund an Widersprüchlichkeit. Ein endloses Potential an Wahnsinn.

Ich ziehe dich weg, von dem, was du versuchst, drehe dich auf deinen Rücken, setze mich auf dich, meinen Schwanz vor deinem Gesicht. Ich schiebe ihn dir tiefer zwischen deine Lippen. Auffordernd. Gierig. Mein Herzschlag dröhnt, während ich selber Hand anlege, direkt vor deinen Augen. Über deinen Augen, deinem Gesicht, um genau zu sein. Ich bin nur Sekunden davon entfernt, eine Phantasie zu erfüllen.
Aber dann halte ich mich zuück. Im letzten Moment mache ich nicht weiter, denn dein Blick trifft den meinen. Du drehst den Kopf zur Seite und lächelst. Ein verlegenes Lächeln. Ich tue nicht, was ich unbedingt tun will. Ich bin fest davon überzeugt, daß wir noch weitere Gelegenheiten haben werden, uns gegenseitig alles zu schenken, was unser Kopfkino so hergibt. Ich will dich nicht erschrecken oder zu etwas zwingen. Ich will dir Dinge beibringen. Wir haben noch Zeit und Gelegenheit. Zumindest glaube ich das.

Ich rutsche nach unten, drücke deine Beine auseinander. Ich küße dich vom Hals abwärts, deine Brüste, dein Bauch, knabbere an deiner Leiste. Vergrabe meine Hände in deinen Arsch, um dich festzuhalten. Ich bin ja lernfähig. Lasse meine Zunge auf Wanderschaft gehen. Wollen mal sehen, ob das mit dem Orgasmus der Wahrheit entspricht. Ich ziehe dich auseinander, schiebe Finger überallhin und schmecke dich endlich richtig. In meinem Traum stöhnst du, während ich dich bearbeite und meine Zähne leicht an deiner Klit nagen. In der Realität beißt du dir auf die Lippen und versuchst, nichts nach draußen zu lassen. Du weigerst dich regelrecht, zu kommen.

Mein Blick fällt auf die Blumen am Feldrand, die jetzt nicht mehr aufrecht stehen, sondern vom Mähdrescher niedergedrückt sind. Ich würde sie gerne photographieren. Als Makroaufnahme am besten. Das hat diese Gedanken an dich wieder getriggert. Du wolltest immer so gerne photographieren, kennst dich mit dem ganzen technischen Kram aus. Ich habe davon keine Ahnung. Du wärst eine großartige Fotokünstlerin. Du müßtest dazu nur lernen, dir nicht mehr auf die Lippen zu beißen.

Wärst du noch Teil von mir, hätte ich mir all das von dir erklären lassen wollen. Hätte dir ganz andere Dinge beigebracht. Lehren und lernen. Mit dir und von dir. Geben und Nehmen. Für dich und für mich. So wie es immer war. Wie es sein sollte. Wie ich es mir gewünscht hatte. Wie die Jahreszeiten.

Die Sommerhitze fließt über das Land und grillt das abgeerntete Weizenfeld hinter dem Haus. Ich schiebe das Fahrrad über den Feldweg. Nach all dem Regen im Frühjahr ist es jetzt so trocken, daß man über die backsteinharte Oberfläche nicht vernünftig fahren kann. Backofenwind weht mir ins Gesicht. Er schüttelt die traurig geknickten Kornblumen und weht armselige Halmreste über zerquetschten Klatschmohn.

Zeit, aufzuwachen.

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