Zuletzt geliebt

Ich mag dich gar nicht. Ich liebe dich. Ich liebe jeden Quadratzentimeter von dir. Deine wunderhübschen Brüste, die du nachts immer in einem völlig unnötigen BH einsperrst. Deine Beine, an denen man sich großartig nach oben massieren kann. Diesen Prachthintern, den du da in Leggins gehüllt durch die Gegend trägst. Deine Ohren, deinen Hals, den Schwung deiner Hüfte und diese wunderschönen Kurven deines Gesichts. Deine Porzellanhaut. Am allermeisten mag ich aber den Verstand, der da in diesem Kopf steckt und der so scharf ist, daß du dich oft selbst daran schneidest. Am allerallermeisten mag ich diese prachtvollen Augen, durch die ich deine Seele erkennen kann, mein Wunder.

Ich vermisse dich seit Monaten jeden Tag und jeden Tag ein bißchen mehr. Mir fehlt deine Stimme. Wenn ich sie nicht hören kann, ist sie in meinem Kopf. Wenn ich beim Radfahren vor mich hin träume, sehe ich dein Gesicht überall. So liebe ich dich. Jeden Tag. Und du weißt das auch. Denn in meiner grenzenlosen Naivität und nervtötenden Romantik habe ich es dir gefühlt neun Dutzend Male auf deine hübsche Nase gebunden.
Du willst es nur nicht verstehen. Du traust dich nicht. Du vertraust mir nicht. Du glaubst mir nicht. Du traust dir nicht. Du schämst dich dafür, daß jemand dich so sieht wie ich. Du hältst es für völlig absurd, daß jemand dich  überhaupt so sehen könnte. Aber trotzdem ändert das nichts. Ich liebe dich einfach. Ich kann da sehr starrsinnig sein. Ich habe jahrelang mit mir selber gerungen und dabei nicht immer Remis gespielt. So etwas geht nur mit ausgesprochenem Starrsinn.

Ich wollte nichts weiter, als dich ein paar Mal im Jahr zu sehen. Um dann hemmungslosen Sex mit dir zu haben. So wie du ihn haben möchtest und so wie ich ihn haben wollte. Auch, jedenfalls. Und warum sollte man das dann nicht auch tun? Ein gegenseitiges Lernen. Ein Geben und Nehmen. Ich wollte der Mann sein, der dir zeigt, welche Grenzen du hast. Denn jeder hat welche und du hast das immer geleugnet.
Ich wollte nichts weiter, als dein eben-nicht-nur-Freund zu sein. Dein Vertrauter. Was ich ja auch war, denn du hast mir Dinge gesagt, die andere nicht wissen. Nicht einmal dein Herr. Zumindest hast du das behauptet. Ich bin der Mann, der in deinem Kopf gewohnt hat und der zuließ, daß du in seinen einzogst.

Den Rest der langen Trennungszeiten hätten wir wie immer verbracht. In unserem recht schnell etablierten Ritual. Unserem Balztanz. Quasi als virtuelles Paar. Ich als deine psychologische Stütze. Oder deine Krücke? Wie nennt man zwei Krücken, die sich gegenseitig stützen?
Als der Typ, der dich in den Schlaf quatscht. Der dich daran hindert, wieder die dunkle Frau im Spiegel hinter dir stehen zu sehen. Oder sitzend auf dem Rand deiner Badewanne. Der Typ, der dich beruhigt und dir sagt, daß da niemand vor irgendwelchen Fensterscheiben steht und so lange auf dich einredet, bis dir wieder einfällt, daß du eigentlich ja müde warst.

All das wollte ich sein. All das war ich für dich. Vom hemmungslosen Sex mal abgesehen, denn dazu ist es ja nie wirklich gekommen. Über all diese Dinge waren wir uns sogar einig. Du hast mich nicht zufällig immer wieder geil gemacht, wie du das behauptet hast. Du hast das gemocht und es genossen. Wie oft kann man Zufall wiederholen, bis er Absicht ist?

Ich wollte nichts weiter als der Mann sein, den du brauchst und der dich dafür im Gegenzug zurückbekommt. Wenigstens ab und zu. Ich wollte der Mann sein, der sich sicher sein konnte, dein Inneres zu besitzen, einen exklusiven Platz in deinem Kopf zu haben. Egal, welche anderen Männer noch in deinem Leben herumgefallen wären. Weil ich auch jemanden brauchte. Noch immer brauche. Jemanden wie dich. Nein, nur Dich, denn jemanden wie dich gibt es sonst nicht dort draußen in der Welt. Die beste Annäherung an eine Seelenverwandschaft für mich wohnt ausgerechnet im Kopf einer zwanzigjährigen Borderlinerin, die ihren Drang zur Selbstverletzung mit SM-Sex in einer D/S-Beziehungswelt auslebt.

Ich habe dir diesen verdammten Plüschhund geschenkt, über den du dich so gefreut hast. Zusammen mit einem Brief, der recht eindeutig war in seiner Aussage. Ich wollte, daß dieses Scheiß-Stofftier für dich positive Erinnerungen enthält. Das du an mich denkst, wenn das Riesenbiest in deinem Bett liegt, du dich auf die Seite rollst und dich an das Flauschtier ankuschelst. Ich wollte mich belohnen mit dem Gedanken daran, wie du in dem Moment einschläfst und lächelst und ich der Grund für dieses Lächeln bin. Das war alles. Ich wollte nichts weiter, als dich glücklich zu wissen.

Du warst die Einzigartige. Die Einmalige. Die Wegbegleiterin. Du warst mein Wunder. Ich habe dir diesen Kosenamen nicht einfach so gegeben. Ich habe dir mich überreicht, als ich dich zum ersten Mal so genannt habe. Du bist noch immer mein Wunder und du wirst es auch weiter sein, so sehr ich daran auch verblute.
Ich habe dich vom ersten Moment an geliebt. Ich liebe dich immer noch. Ein winzigkleiner Teil von mir wird es immer tun, vermute ich. Obwohl es irrational ist. Ich will nicht, daß dieser letzte Funke in mir erlischt, allem Schmerz zum Trotz. Die wirklich wichtige Liebe im Leben eines Mannes ist nicht seine erste Liebe. Es ist seine letzte.

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3 Gedanken zu “Zuletzt geliebt

  1. Kein Wunder, dass du immer mit dem Kopf durch die Wand willst. Hast ja schließlich ein Horn 🙂

    Leider läuft das Leben nicht nach unseren Wunschvorstellungen, sondern danach, was wir für die persönliche Weiterentwicklung brauchen. Auch wenn wir das nicht sehen (wollen).

    Gefällt 1 Person

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