Kleine Gesten

Ich fühle, wie ich schon wieder in diesen schwarzen, düsteren Strudel hineingesogen werde, der sich immer um dich herum zu bilden scheint.
Ich denke an dein Lachen und deine Augen und wäre bereit, alles zu tun, um dich wirklich bei mir zu haben. Wenn ich dazu Ozeane trockenlegen muß oder Kontinente versenken, werde ich einen Weg finden. Alles nur eine Frage der Zeit.

Ich will dir vertrauen. Ich will unbedingt daran glauben, daß du all das ernst meinst, was du zwischendurch sagst. Ich will glauben, daß du mich wirklich küssen möchtest, wenn du mir virtuell wieder ein Emoji zuwirfst, das genau diese Aufgabe für dich übernimmt. Ich will, daß du wirklich das fühlst, was du mir schreibst. Das all das aus einem Gefühl echter Liebe von dir zu mir resultiert.

Aber ich traue mir nicht. Ich sehe mich schon wieder blind und mit abwesendem Lächeln auf den Abgrund zulaufen, auf den Wassergraben mit den Piranhas und den Krokodilen zu. Ich denke an die eingesprochene Prosaperformance, die ich dir geschickt habe. Ein Lieblingsstück von dir. Ich habe es spontan aufgenommen und dir am Ende gesagt, daß ich dich liebe. Dieses fiese L-Wort, das du nie erwähnst mir gegenüber.

Wie ein dummer Schuljunge warte ich auf eine Reaktion. Ich bettle um eine Reaktion. Schwitzend stehe ich im Flur meiner Angebeteten, die Blumen in der Hand, und frage mich, wie ich aussehe. Ob dir die Blumen gefallen werden. Ob du mich überhaupt richtig ansiehst.
„Das habe ich verdrängt“, sagst Du, als ich endlich mal eine Antwort von dir bekomme. Wie ein Schlag ins Gesicht. Ich habe mich wieder so offen aufgestellt vor dir. Nackt und ohne Deckung.
Ich habe wieder eine Geste in deine Richtung gemacht. Eine für mich gefährliche Geste. Gegen jede Vernunft. Und alles, was ich bekomme, ist kalte Ignoranz. Blumen, die auf die Anrichte gelegt werden und verwelken. Niemand sucht eine Vase.

Die Stimme in mir ist voller ätzender Bitterkeit. „Das hättest du dir auch mal wieder ersparen können.“ Ja. Hätte ich. Ich hätte es mir sogar ersparen müssen. Aber ich habe es nicht. Hundertmal habe ich diesen Unsinn gefühlt verworfen in meinem Kopf. Ich habe es noch verworfen, als ich schon dabei war, den Text zu sprechen. Ich kann nicht anders. Immer wieder versuche ich, deinen beschissenen Panzer mit meinen Fäusten zu zertrümmern. Immer wieder brülle ich draußen vor deiner Seele, bis ich heiser bin vor Zorn. Vor kochender Wut, aus Verzweiflung heraus geboren.

Ich kann dich mir nicht abgewöhnen, so sehr ich das auch versuche. Dieser sengende Schmerz in meinem Innern wird immer stärker mit dir. Wie das Knistern einer Hochspannungsleitung an einem nebligen Tag. Wie sehr ich mich dafür hasse, dich immer noch zu lieben.

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2 Gedanken zu “Kleine Gesten

  1. Liebes Einhorn, da du ja nun eigentlich nicht eigentlich existiert, frage ich mich natürlich bei deinen bittersüssen Liebesleidensgeschichten jedes Mal, sind sie dem Einhorn tatsächlich passiert oder hat es sich diese ausgedacht?
    Egal ob wahr oder nicht. Ich schwanke beim Lesen immer zwischen „tut mir leid, der arme Kerl“ und „was für ein Idiot“ und „hm, würde gerne mal die Stories aus Sicht der dazugehörigen Dame hören / lesen“.
    Auf alle Fälle werde ich den Verlauf weiterhin beonachten 🙂 Wird es ein Happy End geben? Und wenn ja, wie wird dieses aussehen?

    Schöne Grüsse
    Bettina

    Gefällt 1 Person

    • Sind sie dem Einhorn tatsächlich passiert oder hat es sich diese ausgedacht?

      Alles hier ist real existent passiert. Manche Dinge sind es nicht, aber die sind im Text auch als Vorstellungen des Fabeltiers erkennbar. Zumindest hoffen wir das inständig.
      Eine gewisse Vermischung ist außerdem Absicht der Autoren 😉
      Warum sollen nur wir verwirrt darüber sein, was jetzt real ist und was nicht? 😀

      Ich schwanke beim Lesen immer zwischen „tut mir leid, der arme Kerl“ und „was für ein Idiot“

      So wie die Autoren auch. Sehr gut.

      und „hm, würde gerne mal die Stories aus Sicht der dazugehörigen Dame hören / lesen“.

      Die Dame wird aus gutem Grunde nicht persönlich genannt. Ich kann aber verraten, daß sie darüber nicht schreiben würde. Jedenfalls nicht so, wie das Einhorn es tut. Ihr Sprung in der Schüssel verhindert das.

      Gefällt 1 Person

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