Optional

Du spielst mit mir. Du spielst mit mir, weil du es willst und weil es für dich dazugehört. Du tust das, weil es deine Art ist, um andere Menschen dazu zu bringen, dich zu dominieren. Denn das ist es ja, was du willst: Dominiert werden.
Allerdings sagst du auch zu mir, daß du ihm gegenüber ein Objekt bist und damit glücklich. Offensichtlich ist es das, was du willst. Aber mir gegenüber willst du das nicht sein. Kein Objekt. Kein Haushaltsgegenstand. Was ich durchaus begrüße, da ich keinen größeren Sinn darin erkennen kann, einem Haushaltsgegenstand Gefühle entgegenzubringen.

Automatisch wirft mein Gehirn aber eine neue Frage in den Raum: Wenn du mit mir spielst, um dich dominieren zu lassen, wie kannst du dann für mich kein Objekt sein wollen?
In der Konsequenz ergibt sich daraus wieder, daß du mit mir spielst, weil du es kannst. Du weißt genau, daß es keine Konsequenzen haben wird, da du ja niemals in meiner Nähe bist. Was du auch nicht vorhast. Deine Hand hält mir die Karotte hin und sie zieht sie auch wieder weg.

Du hast davon geredet, mir entgegenzukommen. Aber bei was genau? Und wie sollte das aussehen? Wir reden ja nicht über eine Rabattstaffel beim Einkauf. Du hast etwas von kleinen Schritten gesagt, um mich nicht zu verlieren oder zu vergraulen.
Aber warum du mich nicht verlieren willst, hast du nicht gesagt. „Ich mag dich“  oder „Du bist süß“ sind deine üblichen Antworten. Waren sie immer. Und ob das denn nicht genug sei. Ein Welpe ist auch süß. Das du mich in deiner Borderline-Wattewelt niemals so lieben würdest oder wirst wie ich dich liebe, ist mir inzwischen auch längst schmerzhaft klar. Aber mögen? Du magst auch Kaffee mit Himbeeraroma.

Du brauchst mich immer noch nur für dich. Als Spielzeug. Als Zeitvertreib. Als jemanden, der da ist und dich virtuell betreut, wenn du wieder einen deiner Abstürze hast. Was eigentlich nicht mein Job ist. Ich bin ja nicht dein Dom. Mr Arschloch bekommt alles von dir, was gut ist. Ich bekomme von dir die Vorstellung, was alles gut sein könnte. Und zwar maximal. Meine Wünsche und Begehrlichkeiten sind dir vollkommen egal. Etwas, das du lachend ignorieren kannst.
Aber wenn du dir die Haare färbst, was er dir verboten hat, dann „wird es blutig“. Hat er dir angedroht, wie du mir erzählst. Alleine diese Vorstellung läßt mich würgen.

Nichts hat sich verändert. Wieder einmal habe ich mich bereitwillig von dir an der Nase herumführen lassen. Welchen Sinn soll es für mich ergeben, immer ein Ziel vor Augen gehalten zu bekommen, das sich als Fata Morgana herausstellt?
Wie kann ich glauben, daß jemand wie du kein Objekt sein möchte? Oder keines sein könnte? Wie soll jemand mit deinem krankhaft-panischem Kontrollwahn jemals ein Leben führen, das halbwegs normal ist? Ein Beziehungsleben ganz besonders. Du hattest noch nie eins. Und warum mache ich mir all diese Gedanken, wo ich doch dafür nicht zuständig bin?

Vor einigen Tagen hast du mir erzählt, daß dich der Gedanke reizen würde, dich für Sex bezahlen zu lassen. Noch vor einigen Wochen hast du dich bitter über den Typen beschwert, der einen Forenkommentar hinterlassen hat: „Für den Arsch würde ich sogar bezahlen.“
Der gemeinte Arsch ist deiner. Denn der ist auf dem Profilbild an der Stelle deutlich zu sehen. Es ist das Profil, daß Mr Arschloch von euch beiden ins Netz gestellt hat. Ohne deine Zustimmung natürlich. Allerdings muß das Bild ja irgendwie entstanden sein. Du findest den Kommentar niveaulos und beleidigend. Zumindest in dem Moment.

Jetzt scheint das anders zu sein. Ich sage dir, daß ich keinen Unterschied sehe in Schuhen und Klamotten und anderen Dingen im Bereich vierstelliger Eurowerte, die dein toller, von dir beschwärmter „Freund“ in den letzten Wochen und Monaten für dich gekauft hat. Kaum ein Bild von dir zeigt dich im gleichen Outfit. Du bist eine Zwanzigjährige mit mehr Klamotten, als ich bisher in meinen Leben gekauft habe. Bezahlte Golfkurse und Clubbeiträge. Bezahlte Zugtickets. Du weigerst dich, es so zu sehen wie ich: Er fickt dich und zahlt dafür. Und zwar nicht wenig. Genau das, was der niveaulose Typ auch sagt. Ich finde Mr Niveaulos allerdings ehrlicher als deinen verlogenen Dom. Wenigstens ist sein Lob für deinen Arsch echt. Du hast eben ein Prachtexemplar dieser Gattung, auch wenn du das selber niemals glaubst.

Du möchtest nichts weiter, als mich auch in Zukunft als Option zu haben. Nur als Option worauf – das weißt du nicht. Ich denke, du weißt es sehr wohl. Aber du sagst es mir natürlich nicht. In deinem Leben willst du jede Minute, jede Sekunde kontrollieren. Weswegen du sie immer verplanst. Nur in meine Richtung hast du niemals Pläne. Ich werde dir nicht nicht besonders fehlen, wenn ich weg bin. In ein, zwei Monaten hast du mich vergessen. Du vergißt Dinge immer sehr schnell. Du verdrängst sie, besser gesagt. Denn Nachdenken führt immer unweigerlich zu der Frage, wo man selbst steht oder stand. Mich ernstzunehmen war nie eine Option. Meine Gefühlswelt war nur dann wichtig, wenn es für dich kritisch zu werden drohte. Ich habe es satt, eine Option zu sein.

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