Traum des Narren

Ich möchte immer in ihrer Nähe sein, was ich aber leider in 99,9 Prozent aller Fälle nicht bin, da diese großartige Frau aus meiner Sicht etwa schräg links hinter dem Nordpol wohnt. Jedenfalls ähnlich weit weg. Also stelle ich mir ständig vor, daß ich in ihrer Nähe bin. Beim Einkaufen zum Beispiel. Oder wenn sie mit dem Smartphone vor ihrer entzückenden Nase die Treppen runterläuft, wobei ich jedes Mal die Sorge habe, daß sich ihre Füße verheddern und sie furchtbar stürzt, denn manchmal kann sie sehr tolpatschig sein. Ein Wesenszug, den ich aus persönlicher Erfahrung nachvollziehen kann.

Aber am liebsten in ihrer Nähe bin ich, wenn sie sich die Decke in ihrem Bett bis zu den Ohren hochzieht und sich auf die Seite dreht, in ihre übliche fötale Schlafhaltung. Löffelchenstellung hat etwas sehr Erotisches und sie hat dafür auch die entsprechenden Kurven an den exakt richtigen Stellen, was natürlich meine Freude daran, mit ihr im Bett zu liegen – oder mir das zumindest vorzustellen – auch nicht gerade verringert.
Und wenn sie dann ihre Arme um den riesigen Flauschhund legt, der in ihrem Bett etwa 27 Prozent des verfügbaren Raums einnimmt, dann lächelt sie manchmal sogar, worüber ich mich unbändig freue.

Natürlich kämst du niemals auf die Idee, deine Arme um mich zu legen oder dich in meine Richtung zu drehen, denn das wäre einfach zuviel der Zuneigung und würde vermutlich heftige allergische Niesanfälle auslösen. Wenn ich denn da wäre. Aber auch, wenn ich es nicht bin.

Also warte ich normalerweise immer, bis ihr etwas hektisches Atmen in ein tieferes und ruhigeres leichtes Schnaufen übergegangen ist, das immer so klingt, als wolle sie der Welt selbst im Schlaf noch ihre Unwilligkeit mitteilen, einfach so zu sein wie alle anderen, ganz speziell alle anderen jungen Frauen ihrer Generation.
Erst dann küsse ich sie noch einmal, etwas unter dem Ohr, so zum Gesicht hin. Ganz vorsichtig natürlich, denn sie ist sehr kitzlig dort. Wobei sie auch nie da geküßt werden möchte, wo sie nicht kitzlig ist, wegen ihrer Romantikallergie. Das Niesen, sie verstehen schon. Außerdem würde sie mich natürlich auf der Stelle töten, würde ich sie bei diesem selbstmörderischen Manöver wecken.
Aber das kann ich ja meistens ohnehin nicht, weil ich ja nur in meiner Vorstellung mit ihr unter der Decke liege.

Doch alleine der Gedanke an diese Möglichkeit erfüllt mich mit soviel Wärme und Licht, daß auch ich manchmal nicht verhindern kann, glücklich zu lächeln, während ich auf meinem eigenen Kissen liege. Ich will es auch gar nicht verhindern, und das ist genau der Punkt, der sie auszeichnet. Sie ist immer bei mir, obwohl sie eigentlich nie bei mir ist. Und manchmal frage ich mich, ob sie überhaupt einschätzen kann, was es bedeutet, wenn ich sie unter ihr Ohr küsse, ganz vorsichtig, und dann flüstere, daß ich sie liebe. Damit es das Letzte ist, das sie hört, bevor ihr Unterbewußtsein mit dem Träumen beginnt.

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