Im Innern nur Splitter

Liebe ist nicht, jemanden verändern zu wollen. Liebe ist, jemanden die Möglichkeit zu geben, die beste Version seiner selbst zu werden, die überhaupt möglich ist.
So ging es mir mit dir. Meine Absicht war es von Anfang an, dein Werden zu begleiten.
Aber du hast dich reduziert. Du hast dich verkleinert auf einen Teil von dir. Auf ein lächerliches, widerwärtig devotes Sklavenmädchen, das um jeden Preis beherrscht werden will. Ein Ding.

Aber jedes Mal, wenn du dich darüber beschwerst, daß er irgendwelche Regeln nicht einhält, frage ich mich, wer sich da eigentlich beschwert. Das Sofa wird nicht gefragt, bevor sich der Besitzer setzt. Wie kannst du auf den absurden Gedanken kommen, daß ein Mann, dessen Haupteigenschaft du selbst als sadistisch beschreibst, jemals dauerhaft irgendwelche Regeln einhält, die von einem Möbelstück eingefordert werden?
Wie kann eine Willensäußerung überhaupt einen Wert haben in so einem Moment, wenn dein erklärter Wille es ist, gar keinen zu haben? Keine eigenständige Persönlichkeit zu sein, sondern ein Werkzeug?
Wenn völlige Unterwerfung das Ziel ist, bedeutet das auch Auslöschung. Ein Hammer hat keinen eigenen Willen. Keine Wünsche. Und wie sollte die erfolgen, wenn nicht durch totale und absolute Demütigung?

Dieser Mann wird dich zerstören. Du lädst ihn geradezu ein und erklärst dir das ganze mit einem Gefühl von Sicherheit. Er wollte das von Anfang an. Das Spielzeug benutzen, Vergnügen daraus beziehen und es dann fallenlassen, sobald der Reiz des Neuen verflogen ist. Das kaputte Aufziehpüppchen wegwerfen. Dieser Mann wollte dich zerstören und dich zu dem willenlosen Fickspielzeug machen, das du geworden bist. Du bist eine Plastikfotze, die reden kann und einkaufen. Eine grotesk verzerrte Variante deiner selbst.

Ich wollte dich nicht zerstören. Ich wollte dich immer auseinandernehmen. Jedes Teil begutachten, es aufpolieren, seine Bedeutung erschließen. Ich wollte dich vor dein eigenes Puzzle stellen, damit du selbst dich wieder neu erschaffen kannst. Jedes Teil an den Platz, der ihm gehört. Jedes Teil für das große Ganze und seine Stabilität, die du dringend benötigst und die dir so sehr fehlt.

Ich wollte dich begleiten, dich anleiten, damit du werden kannst, was zu werden dir immer bestimmt war. Nämlich Du. Zerstörung oder Verdrängung oder Unterdrückung bis zur Selbstverleugnung – all das sind keine Lösungen. Was du unbedingt brauchst, ist Fusion. Du hast dich für Zersplitterung entschieden. Und in jedem Spiegelsplitter in dir siehst du die Schatten von dem, was du hättest sein können. Was Du bist. Du fürchtest dich so sehr davor, daß deine Angst dich langsam auffrißt.

Ich kann dich nur mit Liebe bewerfen, wo immer es geht. Aber wenn du schlichtweg die Möglichkeit leugnest, daß dich irgend jemand lieben kann, ohne totale Kontrolle über dich anzustreben, wirst du zersplittert bleiben. Eine Seele aus Scherben. Wenn du immer überzeugt bist von deiner Wertlosigkeit, wirst du niemals deinen Wert erkennen können. Aber solange du ihm hörig bist, solange du kein Selbst haben willst oder dich davor fürchtest, ist diese Hoffnung vergebens.

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