Das ganze Paket

„Glaubst du, daß ich das alles für jede andere tun würde, was ich für dich getan habe?“
Ich frage mich, was er damit meint. Denn was hat er wirklich für dich getan in den letzten zwölf Monaten? Er hat deine Gebühren bezahlt für einen Golfclub. In dem du nicht spieltest, wenn er nicht dort wäre und dich mitgenommen hätte. Der Sport gefällt dir, aber hat er das für dich getan?
Er hat Schuhe für dich bezahlt. Jacken. Hosen. Kleider und Röcke. Jede Menge Outfit. Er hat Spielzeuge eingekauft, vom Vibrator bis zum Latexkostüm. Aber hat er das für dich getan? Oder hat er es getan, damit du deinen Lolita-Charme immer wieder in anderen Masken ausspielen kannst? Was du durchaus gern tust. Denn du bist manipulativ und heimtückisch. Natürlich gibst du das nie zu. Hat er das nicht eher getan, damit du deine Sklavenrolle besser einnehmen kannst, die ihm so viel Befriedigung verschafft?
Wenn man Geld investiert, damit das eigene Hobby besser mit Material versorgt ist – ist das dann ein Zeichen von echter Liebe oder Hingabe?

Ich denke nicht. Menschen lieben ihr Hobby, so sagen wir umgangssprachlich. Aber das hat nichts mit Liebe zwischen Menschen zu tun.
Aber genau das bist du: ein Hobby. Eine Beschäftigung. Er könnte auch leidenschaftlicher Modellbauer sein. Oder eben Golfspieler. Aber mit solchen Dingen ist normalerweise kein Sex verbunden. Außerdem räumen Golfbälle nicht die Wohnung auf, erfüllen Tagesaufträge oder kochen was zum Abendessen.
Du bist ein Objekt, in das er Geld investiert hat. Was daran liegt, daß du immer auch ein Objekt sein willst. Zumindest glaubst du das. In Wahrheit hast du nur Angst davor, ein Mensch zu sein. Und wie ein Mensch geliebt zu werden von einem anderen. Du willst Beherrschung durch einen anderen, um deinem eigenen Drang nach Chaos nicht nachzugeben. Denn der steckt ebenso in dir wie dieses krankhafte Bemühen um Perfektion. Die Person, die dich am meisten unter Druck setzt, dein größter und miesester Sklavenhalter, steckt in deinem Kopf. Sie sieht dich aus deinem Spiegel an.

Er versucht krampfhaft, dir etwas zu geben, von dem er selbst schon nicht mehr überzeugt zu sein scheint. Dieser Mann ist ein alternder Typ, der sich der Tatsache bewußt wird, daß Sex in einem Leben jenseits der fünfzig nicht mehr den Maßstab hat, den er vielleicht zwei Jahrzehnte zuvor noch hatte. Ein Mann, dem mehr und mehr bewußt wird, wie einsam er eigentlich ist in seiner Wohnung. Seiner leeren Wohnung ohne Kinder. Ohne eine Frau. Seelenlose Räume sind kein Zuhause. Er glaubt immer noch, etwas wie dich zu suchen. Aber ich denke, das ist gar nicht der Fall. Er braucht eine Frau, die eine Persönlichkeit hat. Du bist eine Frau, die Angst hat, eine zu haben.

Der manische Kontrollfreak, der nie wirklich geliebt hat, sondern dich und andere zeitlebens mit teurer Ausrüstung least, ist der Mann, der dir vorwirft, ihm nicht zu vertrauen. Der dir sagt, daß du notorisch mißtrauisch bist und eifersüchtig. Da hat er sogar recht. All das bist du.
Doch dieser Mann versteht nicht annähernd, warum du so bist. Es kümmert ihn einfach nicht. Ebensowenig wie deine Kopfschmerzen. Deine psychischen Aussetzer, wenn du minutenlang vor dich hinstarrst und in deinen eigenen Schrecken gefangen bist. Wenn du wieder das Gefühl hast, gar nicht zu existieren. All das entzieht sich ihm. Dieser Mann sieht dich, aber er kann nicht in dich hineinsehen. Ich würde es ihm auch nicht raten, denn in dir existieren Terror, Folter und Schmerz. Dämonen, Drachen und Fallgruben sind überall.

Liebe benötigt Empathie. Sie schwimmt geradezu darin. Exakt das ist es, wozu er nicht ansatzweise fähig ist. Paradoxerweise fühlst du dich dann ungeliebt, weil dein Herrchen dich weder bestraft noch fickt.
Empathie ist exakt auch das, was du brauchst. Was Du willst. Wonach du geradezu gierst. Aber es ist dir zu gefährlich. Statt zu erkennen, daß du ein Selbstbewußtsein hast, machst du dich zur Sklavin. Zum willenlosen Fickspielzeug reduziert, besteht nicht die Gefahr emotionaler Verletzungen. Wie ein pflegeleichter Tisch, gut abwaschbar.
Statt zu riskieren, deinen Selbstwert neu aufzubauen, umgibst du dich mit Menschen, die deinen Selbstwert völlig ignorieren. Du bist keine Sub. Du glaubst, eine sein zu müssen. Denn du hat es nie anders gekannt. Aber für diese Leute ist dein nicht existierender Selbstwert ein Gewinn. Ein Punkt, um die Welt aus den Angeln zu hebeln. Dich benutzen zu können.

Was hat er also wirklich getan – für dich?

Hat er dir zugehört und versucht, dich durch die dunklen und kalten Wälder in deinem Kopf zu führen? Hat er dich festgehalten, dich an sich gedrückt und versucht, mit seiner Wärme dein Zittern zu vertreiben? Hat er jemals gemerkt, daß dieses Zittern aus deinem Kopf kommt, den Dunkelheiten und grauen Schatten, in denen du dich nachts selbst stehen siehst? Könnte er jemals verstehen, wie sehr du dich erschreckst, wenn du dir selbst begegnest im Traum? Dieser Gestalt auf dem Hügel vor dem Sonnenuntergang, die dich blutverschmiert angrinst?
Ist er traurig über die Erkenntnis, daß du Liebe an sich gar nicht kennst? Ist er überhaupt schon einmal darauf gekommen?
Ist er bereit, dich solange mit echtem Gefühl zu bewerfen, bis deine verdammten Mauern endlich zusammenbrechen? Will er das? Erkennt er die Notwendigkeit? Kann er das überhaupt?
Denn das ist keine leichte Übung. Dich zu lieben kostet enorm viel Kraft. Es ist eine undankbare Aufgabe und erfordert viel Geduld. Hingabe. Und den Starrsinn eines Mannes, der dein wahres Selbst schon einmal hat leuchten sehen und der genau weiß, welches Potential sich in den Ruinen deines Geistes versteckt.

Ich weiß nicht genau, was ich alles für dich getan habe. Aber ich weiß, daß ich zumindest irgend etwas für dich getan habe. Er tut nichts für dich. Er kauft Dinge. Man kann nur den Körper einer Frau kaufen. Ihren Geist zu kaufen ist nicht möglich.
Ich habe all diese Dinge getan, denn mir ging es immer um dich. Als ganzes Paket. Mit all dem Wahnsinn und der Verwüstung in deinem Kopf, den dein Leben bisher so angerichtet hat. Du suchst so sehr nach Wärme, nach Licht und Luft zum Atmen und würdest doch erbost abstreiten, jemals etwa davon zu brauchen. Sich lieben zu lassen ist für dich Schwäche. Sklaverei ist für dich Freiheit.

Ich habe nie wirklich Geld für dich ausgegeben, denn ich besitze keins. Ich besitze nur mich. Aber ich habe immer versucht, für dich da zu sein, wenn du jemanden brauchtest. Ich habe dich nie belogen, auch wenn die Wahrheit häßlich war und bitter und blutig. Ich habe nicht losgelassen, so sehr du mich auch gekratzt hast oder auf mich eingstochen. Ich habe dich nicht vergessen oder verloren. Auch nicht, als wir uns angeschwiegen haben, sprachlos erstarrt in der tiefen Ungewissheit, ob wir uns jetzt hassen sollen oder uns küssen müssen.

Du fürchtest dich so sehr davor, ein ganzer Mensch zu werden, daß du seit fast achtzehn Monaten vor mir davonläufst. Und ich Idiot laufe hinterher und versuche, dabei nicht über meine eigenen Füße zu stolpern.
Ich besitze nichts außer mir. Liebe bedeutet, sich immer wieder um jemanden Sorgen zu machen. Sich um jemanden zu sorgen. Jemanden zu umsorgen. Ich kann nichts tun, außer dich zu lieben. Ich bin nicht bereit, dich zu unterwerfen. Ich bin an Objekten nicht interessiert. Ich will nur dich. Dich allein.

 


Das Beitragsbild trägt den passenden Tiitel „Bounded by the darkness“ und ist von James Robert Lee Photography. Der Name des Models ist Chloé Vachon. Wieder einmal ist das Dark Beauty Magazine der Überbringer der Botschaft.

Advertisements

6 Gedanken zu “Das ganze Paket

  1. Liebes Einhorn,
    ich verstehe dich gut, habe schon ähnliches erlebt. Du kannst nicht loslassen und liebst sie wirklich. Das ehrt dich einerseits, andererseits ruiniert es DICH. Achtzehn Monate schon. Glaubst du, die von dir Verehrte liest überhaupt, was du dir an Gedanken über sie machst?
    Versuch mal dich in sie zu versetzen und dabei nicht du zu sein. Ich kenne die geliebte Frau nicht, sie scheint psychisch nicht stabil zu sein aber wer kann das schon von sich behaupten. Es klingt so, dass sie von einem Typ (ja möglicherweise ein Arschloch) materiell und statusmäßig auf ein höheres Level kommt. Golf, Klamotten, vlt. schicke Wohnung, Urlaube etc.
    Dafür nimmt sie in kauf, nicht wirklich den Traumtyp zu haben, einen der sie auch demütigt, für sein Selbstwertgefühl braucht, etc. (alles was du hierzu geschrieben hast).
    Sie ist jung und will was geboten bekommen. Action, dabei sein, das Gefühl, zur Gewinnerseite zu gehören. Und ist dabei bereit, emotional Abstriche zu machen. Und ihr zerbrechliches Selbst hinter einer Fassade zu verstecken. Es gibt viele viele viele Frauen die das tun. In einer patriarchalischen Welt besteht diese Möglichkeit der Lebensführung eigentlich nur für Frauen (so lange sie attraktiv sind). Früher oder später wird sie damit scheitern. Das ist dann traurig aber sie hat halt die momentan attraktivere Abzweigung gewählt.
    Irgendwann, wenn sie vollkommen kaputt ist, erreicht sie dein Apell. Aber ob du sie dann noch willst oder lieben kannst. Vermutlich zerbrichst du selbst vorher. 😦

    Gefällt 1 Person

    • Ja. Liest sie.

      Sie ist jung und will was geboten bekommen. Action, dabei sein, das Gefühl, zur Gewinnerseite zu gehören..

      Ja. All diese Dinge sind dem spitzohrigen Typen durchaus bewußt. Das verdammte Einhorn ist schuld! 😉

      Früher oder später wird sie damit scheitern. Das ist dann traurig aber sie hat halt die momentan attraktivere Abzweigung gewählt.
      Irgendwann, wenn sie vollkommen kaputt ist, erreicht sie dein Apell. Aber ob du sie dann noch willst oder lieben kannst. Vermutlich zerbrichst du selbst vorher.

      Auch das hat das Einhorn schon drei- oder viertausend Mal erwähnt ihr gegenüber. Es ist irgendwie schon irre, das alles.

      Gefällt mir

      • Einhörner sind sehr selten. Ich fände es schade wenn eines bei der Suche nach Jemandem, der dies nicht erkennt, zu Grunde geht. Ich weiß nicht wie man auf einhörnisch sagt… ‚Glück auf‘ wohl eher nicht 😉
        Der Glitzerstaub der Porsches, Clubs und Golfplätze ist nur Katzengold. Den echten, den bleibendenden gibt’s halt nur bei den unicorns🦄

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s