Solovorstellung

Ich denke daran, wie du mir erzählst, daß du es dir neulich an einem Tag achtmal selber gemacht hast und du am nächsten Tag vor lauter Muskelkater in den Beinen kaum die Treppe raufgekommen bist.
Mich erinnert das daran, daß ich es war, der dir gesagt hat: „Du solltest mal dringend lernen, es dir selber zu machen.“
Jemand mit deiner Veranlagung, die es nicht zulassen will, einen Höhepunkt zu kriegen, der keine Belohnung ist, weil du wirklich glaubst, so etwas Schönes nicht verdient zu haben. Unfaßbarer Sklavenschwachsinn. Und unglaublich gefährlich. Das ist etwa so, als würde man Charles Manson eine geladene Kettensäge in die Hand drücken, mit dem Hinweis, damit niemanden zu verletzen. Also keine besonders gute Kombination.

So etwas wie ein Orgasmus entspannt, es schüttet Glückshormone aus, es verhilft zu besserem Schlaf. Alles Dinge, die du gut gebrauchen kannst. Denn dein Schlafrhythmus und Tiefschlafmuster ist eine echte Katastrophe. Außerdem wirst du implodieren, wenn du nicht endlich lernst, mal richtig zu explodieren.
Ich rede auf eine Frau ein, die meine Tochter sein könnte, und erläutere ihr das medizinische Potential von Masturbation. Ich träume das nicht, es findet tatsächlich statt. Jetzt bist du derartig auf den Geschmack gekommen, daß du wieder keine Grenze findest.

Du hustest beim Frühstück am Telefon, ich lästere drüber und irgendwie kommen wir auf Husten unter anderen Umständen. In diesem Moment sind wir wieder fast so wie früher. Du bist es, die mir erzählt, sie würde „allmählich besser“. Beim Blasen natürlich. „Nachhilfe“ nennst du das. Deine Beschreibung schneidet wie glühender Stahl in mich hinein, aber du siehst nicht, wie mein Gesicht gefriert, während du redest.
Du kennst meine Phantasiewelt diesbezüglich. Dieser Teil meines Kopfes ist dir vertraut. Ich habe nie ein Geheimnis aus diesem speziellen Raum gemacht. Das ist ja eine der Besonderheiten mit dir. Du hingegen hast immer abgestritten, daß so ein Raum in deinem  Kopf überhaupt existiert. Das stimmt auch. Hinter dieser speziellen Tür in deinem Kopf liegen ganze Hallen.

Als ich abends im Bett liege und mich in ein Buch vergrabe, denke ich plötzlich daran, wie du früher oder später das erste Mal so richtig Kommen wirst, während du gerade einen Schwanz so tief im Hals hast, daß er dir die Luft abschnürt. Denn darauf stehst du ja wiederum. Atemkontrolle heißt das bei den SMlern wohl, „Asphyxie“, meldet mein Gehirn ungefragt an mich und legt noch ein Bild von Gehängten dazu, die sehr oft mit einem stahlharten Ständer von ihren Schlingen losgeschnitten wurden.

Sobald es dir das erste Mal kommt in so einem Moment, wirst du dich in eine großartige Schwanzlutscherin verwandeln. Ich kann es förmlich sehen. Exakt das hatte ich immer mit dir vor. Das, was du willst, mit dem verbinden, was ich schon immer wollte. Aber eben nicht als irgendwie geartete „Belohnung“, weil die kleine Sklavin sich so brav benommen hat. Als Begegnung zwischen zwei Menschen. Auf Augenhöhe. Als Wunsch einer selbstbewußten Frau, die eben weiß, was sie will, was sie braucht und die das auch bekommt. Geben und Nehmen. Das beste aus zwei möglichen Welten.

Es tut mir unglaublich weh, daß ich es nicht bin, der dir alle diese Dinge beibringen wird. Wie andere Männer mit dir den Inhalt meines Kopfes verwirklichen werden, bringt mich emotional fast um. Wie du dabei nicht eine Sekunde an mich denken wirst, foltert mich langsam zu Tode. Wie dein neuer Kerl dich erst neulich als „geilstes Stück auf dem Planeten“ betitelt hat. Wegen dieses Augenaufschlags beim Blasen. Ich habe dir dieses Bild in deinen Kopf gesetzt. Andere ziehen den Gewinn daraus.

Wie sehr ich dir nah sein will, dich berühren, dich spüren, dich mit allen meinen Sinnen verschlingen. Ich will meine Fingerspitzen über deinen Bauch kitzeln lassen, wenn du nach dem Essen faul auf dem Sofa liegst. Mich mit dir über Kunst streiten, Musik, Fotografie. Ich will in der Dusche hinter dir stehen – was du immer furchtbar findest. Den Kopf auf deine Schulter legen, dich in meine Arme schließen und dem Wasser mit meinem Mund folgen, das deine prachtvolle Hüftkurve herunterrinnt.
Deinen Nacken küssen, während meine Hände sich hinterrücks zu deinen Brüsten schleichen und sie umschließen, mit deinen Piercings spielen, bis deine Nippel steif werden und deine Knie schwach und du deinen Kopf zurücklehnst an meine Brust und dich entspannst und du nie wieder auf die Idee kommst, daß jemand hinter dir in der Dusche etwas Böses ist, vor dem du dich fürchten müßtest.

Ich wollte auch der Mann sein, der dich in eine Ecke drängt und dabei angrinst, während du schon deine Beine auseinandernimmst, um mir freien Zugriff zu ermöglichen. In meinem Kopf spüren meine Fingerspitzen, wie heiß und naß du dich anfühlst. Ich sehe, wie es in deinen Augen glänzt und leuchtet, während du deinen Mund leicht öffnest, als ich in dich eindringe, so tief wie möglich, meinen Daumen auf deine Klit gepreßt. Ich höre, wie du aufkeuchst, ich küsse dir deine Erregung von den Lippen, greife deine Handgelenke, halte dich, küsse deine Fingerspitzen. Jede einzelne. Dränge mich an dich, lasse dich das Objekt deiner Begierde spüren durch das bißchen Stoff, das uns trennt. Nichts existiert in diesen paar Sekunden außer uns.

Ich atme tief durch. Nehme Abstand von mir selbst. Stelle mich in meiner inneren Burg auf die Wälle, hinter die Zinnen. Sehe mich selber da liegen, den Blick abwesend neben die Seiten des Buches gerichtet, während diese irren Gedanken durch meinen Kopf gehen. Wie sehr ich dich immer haben wollte. Noch immer haben will. Meine Enttäuschung ist ein grundloser Ozean.
Alles ist so eingetroffen, wie ich es gedacht hatte. Gewollt habe. Nur eben ohne meine Beteiligung.
Wie unfassbar weit du von mir entfernt bist. Wie absolut unerreichbar du in einem anderen Universum schwebst, in dem du mich überhaupt nicht wahrnimmst. Wie sehr mich das alles zerreißt.


Das Beitragsbild ist von Stephan Kotas, und trägt keinen Titel, weshalb ich es schlicht „Grey Moaning“ genannt habe. Zu finden ist das Werk einmal mehr beim Dark Beauty Magazine.

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