Eselhorn

Ich bin auf einem Langstreckenlauf. Aber jedes Mal, wenn es so aussieht, als käme ich dem Ziel näher, verlängert jemand die Strecke. Hase und Igel.
Wie auf einem Schachbrett werde ich hierhin und dorthin geschoben, ganz nach Belieben. Allerdings weiß ich manchmal nicht, ob ich Figur bin oder Spieler. Ob es meine Hand ist, die führt oder eine andere, die mich berührt.

Aber im Gegensatz zu einer Figur bin ich mir des Spielfelds bewußt. Ich weiß allerdings nicht, ob ich es in seiner ganzen Größe sehe. Und wie sind die Regeln des Spiels? Gibt es überhaupt welche? Oft habe ich den Eindruck, daß die Regeln beliebig sind. Das du sie formulierst, wie es dir paßt. Daß es deine Hand ist, die manipuliert.

Nicht Hase und Igel. Esel und Karotte. Ich trotte immer wieder an, obwohl das, was ich haben will, immer außerhalb meiner Reichweite bleiben wird. Nichts von alldem, was ich mir vorstelle, wird jemals stattfinden.
Wir werfen uns gegenseitig Bälle zu, mehr oder weniger lachend. Aber du traust dich oft nicht. Denn wenn du die Bilder, die damit verbunden sind, zu sehr aus deinem Kopf läßt, würdest du von dir behaupten, das wäre so etwas wie Fremdgehen. Aber das ist es gar nicht. Das ist gelogen, wie andere Dinge auch gelogen sind und gelogen waren.

Ich wäre ein chaotisches Element in deiner wohlgeordneten, streng kontrollierten und überwachten Happiness-Welt. Etwas, das du nicht einschätzen kannst. Eine Bedrohung für das kleine totalitäre Sex-Utopia in deinem Kopf.
Immer wieder einmal tanzt du vor mir herum und läßt einen Schleier fallen. Nur anfassen darf ich die Kurven unter den Schleiern nie.
Ich kann versuchen, dich zu ergattern. Nur gelingen wird mir das nie. Immer wieder, wenn ich mir das ins Bewußtsein rufe, frage ich mich, was ich hier eigentlich noch tue. Warum mache ich all das?

Natürlich kenne ich eine Antwort darauf. Aber welchen Sinn hat der Langstreckenlauf, wenn es kein Ziel geben darf? Keinen Preis zu erringen? Wenn all das Positive, das ich vielleicht erreiche, jemand anderem zugute kommt? Wenn man auf alle Fragen nie Antworten bekommt, wie lange stellt man dann weiter Fragen? Ab wann genau macht man sich eigentlich endgültig zum Narren?

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