Für immer und Dich

Und endlich hatte ich dich gefunden und habe dich nie verloren und trotzdem bist du wieder verschwunden und du warst nie da. Und du wolltest mich nie nie nie verletzen und hast es trotzdem immer wieder getan und hast nie damit aufgehört.
Vielleicht tut es dir sogar tatsächlich leid und du wolltest nichts tun von dem, was du gemacht hast, aber trotzdem macht das die Wunden nicht weniger real, die Narben weniger schmerzhaft, mein Blut weniger rot, die Risse in meiner Seele weniger quälend, die Lücke in meinen Kopf weniger leer. Gewollt zu haben ist eins, gehandelt zu haben das andere.

Du und ich. Der alte Sack und Lolita. Die Schöne und das Biest. Wir wären Jekyll und Hyde. Und außerdem Harold und Maude. Luke Vader und Darth Skywalker. Jeder für sich in einer Person und zusammen erst recht. Wir würden derartig brennen füreinander, daß wir die Sonne überstrahlten. Allerdings bestünde natürlich das Risiko, daß außer Asche von uns nichts übrig bliebe. Wahrscheinlich nicht einmal das. Ich denke, wenn wir schon dabei gewesen wären, hätten wir die Sache dann auch gründlich erledigt. Wir sind beide auf unsere Art nicht für halbe Sachen zu haben. Im Grunde unseres Selbst sind wir beide Extremisten.

Einmal, vor langer Zeit, in einem anderen Universum, hattest du mich dir versprechen lassen, daß wir uns nie aus den Augen verlieren, egal was der andere anstellt. Als wären es immer nur meine Augen, die auf dich gerichtet blieben. Ich verliere dich nicht aus meinem Herz. Denn ich will es nicht.
Ich wollte dich, nur dich, von der allerersten Sekunde an und ich habe nichts bekommen, was du gewesen wärst. Aber ich werde mich weiter erinnern, an diesen einen, endlosen Moment, in dem ich dich sah, wie niemand der anderen dich je sehen wird. Ich werde trotz allem nicht aufhören, an mein Wunder zu glauben.

Ich liebe dich. Mein Wunder. Mein wunderschönes, wahnsinniges kleines Miststück. Ich kann schlicht nicht damit aufhören, weil ein Teil von mir es überhaupt nicht will. Aber ich habe verloren. Ich hatte nie eine Chance zu gewinnen. Dich zu gewinnen. Denn du wolltest mich nie wirklich haben. Und weil ich dich liebe, wird es Zeit für mich, loszulassen.

Du driftest ohnehin immer weiter von mir weg. Nach dem, was geschehen ist, was man dir angetan hat, nach dem, was Du dir angetan hast, bin ich für dich noch weniger wirklich geworden. Noch mehr optional. Zumindest ist das mein Eindruck.
Ich möchte dich schütteln manchmal, an den Schultern greifen und solange schütteln, bis du was gegen dieses widerliche Arschloch unternimmst, daß dich so behandelt hat. Eigentlich mußt du es tun, denn ansonsten macht er es noch einmal. Wie er es auch bei dir nicht zum ersten Mal gemacht hat. Da bin ich mir sicher. Solche Männer neigen zur Wiederholung, wenn sie niemand stoppt.

Ich möchte dich in die Arme nehmen. Jedes bißchen Schmerz mit umarmen und aus dir herausküssen und herausreden. So wie man Eiter aus einer Wunde zieht. Aber ich weiß nicht, ob Du all diese Dinge überhaupt wahrnimmst. Ob Du bemerkst, wie sehr und wie tief es mich vernichtet, wenn Du wieder in diese Stadt zurückgehst. Zu diesem Kerl, der immer noch dein Eigentümer ist und über dich verfügt. Der dich auch schon einmal kaum besser behandelt hat als der andere Typ. Was ist es, das dich immer dorthin zieht und mich aufs Abstellgleis schiebt?
Jeder Meter, den Du auf diese Männer zufährst, jede Minute, die Du mit ihm verbringst, tötet mich tropfenweise.

Zieh weiter deines Wegs. Du hast dir ohnehin niemals wirklich Zeit für mich genommen, wenn du ehrlich bist. Also geh. Geh fort. Kein Einhorn mehr. Nur du und dein Herr und Meister. Oder der andere Typ. Wer auch immer. Horden namenloser Männer, an die du verliehen wirst. Ich hätte dich nie leihen können. Leihen bedeutet die Absicht, das Geliehene auch irgendwann einmal zurückgeben zu wollen. Warum hätte ich dich jemals wieder zurückgeben wollen?

Ich hatte schon nach ein paar Tagen damals die richtige Bilanz gezogen. Als wir übereinander stolperten. Es war ein Fehler von mir, zu dir zu kommen. Alles war ein einziger Fehler. Ich bin tatsächlich ein Idiot. Statt auf meine kühle Stimme zu hören, habe ich noch einmal meinen Gefühlen vertraut. Mein Inneres hat mich sofort gefragt, was ich denn da eigentlich tue, als ich spontan anfing, meine Sachen zu packen. Ich konnte dieser Anziehung von dir nicht widerstehen. Ich konnte es nie. Ich wollte es nie. Mit Begeisterung habe ich mich in den Strudel gestürzt, der Du bist.

Du hast damals gesagt, ich solle nicht gehen. Ob ich verrückt sei, hast Du gefragt. So, als könntest Du dir deinen weiteren Weg nicht ohne mich vorstellen. Und dann bist Du ihn trotzdem immer ohne mich gegangen, die ganze Zeit. Ich war nie bei dir und Du nie bei mir und doch waren wir eigentlich immer beieinander. Wie Tänzer auf zwei Wiesen an unterschiedlichen Orten, die sich absolut synchron bewegen.

Doch inzwischen führt dein Weg dich auf Ebenen, die nicht meine sind. In Gegenden, die ich nicht betreten will und auch nicht kann. Menschen wie ich haben zwischen diesen karrierebewußten Plastikwesen keinen Platz. An Flughäfen oder internationalen Kanzleien. Du bist in Welten unterwegs, die nicht meine sind. Welten, deren Eintrittspreise ich nicht bezahlen kann und auch nicht wollte, könnte ich es mir leisten. Diese statusgeilen Heile-Welt-Heuchler, die mit brutaler Gewalt vorgehen, um ihre Ziele zu erreichen. Die immer vorgeben, materialistische Dinge bedeuteten ihnen nichts und die doch aus nichts anderem bestehen als Besitzstreben und Kontrollwahn. Armselige Karikaturen echter Lebewesen. Simulationen.

Es gibt Menschen, die töten können. Auch ich wäre dazu in der Lage, wenn es sein müßte. Und dann gibt es Wesen, die foltern können. Zu denen gehöre ich nicht. Nicht einmal meine miese, dunkle Seite würde das tun. Diese Seite betrachtet solche Leute als Schwächlinge. Echte Stärke wird ausgespielt. Sie wird benutzt wie ein Skalpell. Oder eine Axt, je nach Bedarf. Echte Stärke vernichtet. Sie verstümmelt nicht. Sie demütigt nicht. Sie löscht aus. Oder begnadigt, denn wahre Stärke muß keine Widersacher fürchten.
Du hingegen lieferst dich den Folterern immer wieder aus. Kehrst immer zu ihnen zurück.

Je mehr ich dich liebe, desto weiter entfernst du dich von mir. Je weiter Du von mir fort gehst, desto mehr möchte ich dich umarmen, festhalten, streicheln, trösten. Für immer und Dich sein. So, wie wir es uns versprochen hatten.
Du hast es mehrfach gesagt im Laufe der Zeit. Immer wieder hast Du mich gebeten, nicht zu gehen. Und das habe ich auch nicht getan. Ich war immer bei dir. Obwohl du die meiste Zeit woanders warst. Aber Du hast mich im Grunde nie gebeten, zu bleiben. Bei dir zu bleiben. Mit dir zu sein. Und so stehe ich jetzt da und weiß nicht, was ich tun soll. Wie ich es tun soll.

Ich lasse dich einfach los und du wirst von mir fortgehen. Mich vergessen. Vergraben. Verdrängen. Du tust es ohnehin schon längst. Ich nehme an, ich bin nur zu blind, um es erkennen zu wollen. Eines Tages wirst du vielleicht verstehen, was ich für dich empfunden habe. Ich weiß nicht, ob es dir wünschen soll. Falls es so weit kommt, wird es schmerzhaft werden für dich. Aller Schmerz, den du ertragen kannst.


Das Beitragsbild stammt einmal mehr von Christian Hopkins. Es ist titellos, aber ich finde „Holding last light“ paßt gut. Den Künstler findet man auf Facebook unter diesem Link.

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