Liebe als Erklärung

Ich habe dich im ganzen Leben real nur einige Stunden erleben dürfen. Trotzdem sagtest du einmal, daß ich dich besser kenne als du dich selbst. Wie konnte es mir passieren, daß ich über dich stolpere, digital und virtuell statt real und physisch, und mich sofort in das interessanteste Gespräch mit dem interessantesten Menschen verwickelt sah, das ich seit ziemlich genau 1996 geführt hatte?
Ich sollte längst alt genug sein, um darauf zu achten, wo ich hintrete. Ich bin nämlich auch alt genug, um einen Sturz schlimme Folgen haben zu lassen.Du bist nicht nur widersprüchlich. Du bist ein einziges Durcheinander.
Auf die Frage, wie du dich fühlst, reagierst du nicht verständnisvoller als Mr. Spock in der berühmten Star Trek-Szene. Empfindungen zu erfragen wird von dir üblicherweise mit einem tiefen Brunnen des Schweigens beantwortet.

Dann ist diese andere Frau. Ich denke, es war die, mit der ich damals sprach. Sie ist hingebungsvoll. Romantisch. Manchmal neigt sie sogar ein wenig zum Kitsch. Sie ist anhänglich und geradezu süchtig nach Zuneigung. Danach, daß jemand Interesse an ihr zeigt. Sie ist fest davon überzeugt, daß sich die meisten Dinge im Universum um sie drehen und das so auch seine Richtigkeit hat. Sie ist auch die Person, die all das vehement abstreiten würde, falls sie nicht schon bei der Andeutung von romantischem Kitsch, also persönlichen Gefühlen, in allergische Niesanfälle verfiele.Weiterlesen »

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Anschein von Sommer

Als ich zugreife, bildet sich sofort ein schwarzer Rand unter meinen Fingernägeln. Abwägend nehme ich die Erde aus ihrer Verpackung, zerbrösele sie in meinen Händen. Wobei – zerbröseln ist nicht das richtige Wort. Ich zerquetsche sie. Denn dieser Boden hier hat eine Textur, eine tiefe, schwarze Farbe. Er zerbricht nicht einfach unter meinen Fingern, er gibt nach. Verformt sich. Weicht mir aus. Drückt sich in jede Ritze, jede Pore meiner Haut. Ohne eine Bürste werde ich diesen Schmutz nachher nicht mehr von meinen Händen bekommen.

Während ich den alten, toten Dreck in den Blumentöpfen durch neuen Boden ersetze, denke ich an dich. Du hast bei der ersten Berührung sofort Spuren auf mir hinterlassen, die ich nicht mehr wegbekommen werde. Ich bräuchte Sandpaste für meine Seele, um das zu schaffen. Aber so etwas gibt es nicht.
Du bist mir auch immer ausgewichen, wenn ich versuchte, dich zu halten. Hast dich verformt, ganz nach Belieben. Was immer jemand wollte, das Du bist, wurdest du auch. Nur du selbst sein, das hast du niemals hinbekommen. Das ist keine Schande. Sehr viele Menschen scheitern an dieser Übung.Weiterlesen »

Für immer und Dich

Und endlich hatte ich dich gefunden und habe dich nie verloren und trotzdem bist du wieder verschwunden und du warst nie da. Und du wolltest mich nie nie nie verletzen und hast es trotzdem immer wieder getan und hast nie damit aufgehört.
Vielleicht tut es dir sogar tatsächlich leid und du wolltest nichts tun von dem, was du gemacht hast, aber trotzdem macht das die Wunden nicht weniger real, die Narben weniger schmerzhaft, mein Blut weniger rot, die Risse in meiner Seele weniger quälend, die Lücke in meinen Kopf weniger leer. Gewollt zu haben ist eins, gehandelt zu haben das andere.

Du und ich. Der alte Sack und Lolita. Die Schöne und das Biest. Wir wären Jekyll und Hyde. Und außerdem Harold und Maude. Luke Vader und Darth Skywalker. Jeder für sich in einer Person und zusammen erst recht. Wir würden derartig brennen füreinander, daß wir die Sonne überstrahlten. Allerdings bestünde natürlich das Risiko, daß außer Asche von uns nichts übrig bliebe. Wahrscheinlich nicht einmal das. Ich denke, wenn wir schon dabei gewesen wären, hätten wir die Sache dann auch gründlich erledigt. Wir sind beide auf unsere Art nicht für halbe Sachen zu haben. Im Grunde unseres Selbst sind wir beide Extremisten.Weiterlesen »

Solovorstellung

Ich denke daran, wie du mir erzählst, daß du es dir neulich an einem Tag achtmal selber gemacht hast und du am nächsten Tag vor lauter Muskelkater in den Beinen kaum die Treppe raufgekommen bist.
Mich erinnert das daran, daß ich es war, der dir gesagt hat: „Du solltest mal dringend lernen, es dir selber zu machen.“
Jemand mit deiner Veranlagung, die es nicht zulassen will, einen Höhepunkt zu kriegen, der keine Belohnung ist, weil du wirklich glaubst, so etwas Schönes nicht verdient zu haben. Unfaßbarer Sklavenschwachsinn. Und unglaublich gefährlich. Das ist etwa so, als würde man Charles Manson eine geladene Kettensäge in die Hand drücken, mit dem Hinweis, damit niemanden zu verletzen. Also keine besonders gute Kombination.Weiterlesen »

Der Hoffnung keinen Glauben

Man sagt, Hoffnung sei nicht die Überzeugung, daß etwas gut ausgeht, sondern die Gewißheit, daß etwas einen Sinn ergibt, egal wie es ausgeht.

Wenn das so ist, hatte ich immer Hoffnung für dich und für mich. Und dann ist sie auch niemals enttäuscht worden. Aber meine andere Hoffnung war eben die andere. Die, die sich gewünscht hat, die Dinge würden für mich gut ausgehen. Die Stimme in meinem Herzen, die sich nichts sehnlicher gewünscht hat als dich.

Welchen Sinn soll es ergeben, von Hoffnung zu sprechen, wenn dabei für mich am Ende nur Verwirrung, Schmerz, Zorn und Leid herauskommt?
Welchen Sinn soll es gehabt haben, dich psychisch zu stabilisieren, für dich da zu sein, dich zu stützen, dir die Angst vor deinen Dämonen zu nehmen und dafür von dir immer wieder nur weggestoßen zu werden?
Wie ein Werkzeug, das lieblos und ungesäubert wieder in die Wühlschublade zurückgeworfen wird. Du magst für dich sexuelle Befriedigung daraus ziehen, wie ein beschissenes Möbelstück behandelt zu werden. Den meisten anderen Menschen fügt diese Art arroganter Verachtung Schmerz zu. In meinem Falle einen sehr tiefen.Weiterlesen »

Das ganze Paket

„Glaubst du, daß ich das alles für jede andere tun würde, was ich für dich getan habe?“
Ich frage mich, was er damit meint. Denn was hat er wirklich für dich getan in den letzten zwölf Monaten? Er hat deine Gebühren bezahlt für einen Golfclub. In dem du nicht spieltest, wenn er nicht dort wäre und dich mitgenommen hätte. Der Sport gefällt dir, aber hat er das für dich getan?
Er hat Schuhe für dich bezahlt. Jacken. Hosen. Kleider und Röcke. Jede Menge Outfit. Er hat Spielzeuge eingekauft, vom Vibrator bis zum Latexkostüm. Aber hat er das für dich getan? Oder hat er es getan, damit du deinen Lolita-Charme immer wieder in anderen Masken ausspielen kannst? Was du durchaus gern tust. Denn du bist manipulativ und heimtückisch. Natürlich gibst du das nie zu. Hat er das nicht eher getan, damit du deine Sklavenrolle besser einnehmen kannst, die ihm so viel Befriedigung verschafft?
Wenn man Geld investiert, damit das eigene Hobby besser mit Material versorgt ist – ist das dann ein Zeichen von echter Liebe oder Hingabe?

Ich denke nicht. Menschen lieben ihr Hobby, so sagen wir umgangssprachlich. Aber das hat nichts mit Liebe zwischen Menschen zu tun.
Aber genau das bist du: ein Hobby. Eine Beschäftigung. Er könnte auch leidenschaftlicher Modellbauer sein. Oder eben Golfspieler. Aber mit solchen Dingen ist normalerweise kein Sex verbunden. Außerdem räumen Golfbälle nicht die Wohnung auf, erfüllen Tagesaufträge oder kochen was zum Abendessen.
Du bist ein Objekt, in das er Geld investiert hat. Was daran liegt, daß du immer auch ein Objekt sein willst. Zumindest glaubst du das. In Wahrheit hast du nur Angst davor, ein Mensch zu sein. Und wie ein Mensch geliebt zu werden von einem anderen. Du willst Beherrschung durch einen anderen, um deinem eigenen Drang nach Chaos nicht nachzugeben. Denn der steckt ebenso in dir wie dieses krankhafte Bemühen um Perfektion. Die Person, die dich am meisten unter Druck setzt, dein größter und miesester Sklavenhalter, steckt in deinem Kopf. Sie sieht dich aus deinem Spiegel an.Weiterlesen »

Dunkelheiten

Du hast in mir meine dunkle Seite geweckt. Erstmals seit sehr langer Zeit gebe ich mir gegenüber zu, daß ich von dem ganzen Blödsinn eigentlich nichts halte, den ich bisher in Sachen Beziehungen von mir gegeben habe. Das es nicht so sein sollte, daß einer dem anderen gehört.
Es ist deswegen Blödsinn, weil ich genau das will. Ich wollte es immer. Eine Partnerin muß nicht nur zu mir gehören. Sie muß auch mir gehören. Was ein erheblicher Unterschied ist.

Während ich mit ihr durch die dunklen Verliese deines Geistes gewandert bin und dich dazu gebracht habe, die eine oder andere Tür zu öffnen, hast du in mir schlafende Drachen aufgestört. Mit deiner Art. Mit dem, was Du bist. Mit deiner devoten Nummer, dieser gruseligen Unterwürfigkeit, hast du in mir das tiefe Verlangen erweckt, dich zu beschützen. Dein Alter spielt dabei sicherlich auch eine Rolle. Gleichzeitig spüre ich nagende, bohrende Gier in mir. Gier darauf, dich zu besitzen. Du hast die Gier in mir geweckt, die verlangt, daß du mir gehörst. Weil du immer mir gehört hast. Ich wollte, daß ich das Schwerezentrum in deinem Leben bin. Ausschließlich. Das ich in deinem Kopf sitze, wie es auch für eine Weile der Fall war. So wie du in meinem. Verschmelzung.Weiterlesen »

Janus

„Und fast hätten wir uns demaskiert und gesehen, wir sind die gleichen. Und dann hätten wir uns fast gesagt, wieviel wir uns bedeuten.“ *

Ich habe dir gesagt, was du mir bedeutest. Immer. Die ganze Zeit. „Die Wahrheit sei stets mein Ziel“, hatte ich zu dir gesagt. Und so habe ich mich verhalten. Zumindest habe ich es immer versucht.
Wir sind die gleichen. Wir waren es vom ersten Moment an. Es ist grausame Ironie, daß ich diese Frau, deren Existenz ich immer erhoffte, in Gestalt eines Frauenmädchens gefunden habe, das meine Tochter sein könnte. Der mir am nächsten verwandte Geist steckt unter deinem Wuschelkopf, den du alle paar Wochen anders färbst, weil du glaubst, dann jemand anders zu sein.

Und weil wir die gleichen waren, waren wir füreinander Spiegel und weder Du noch ich sind damit zurechtgekommen. Du wirfst mir Projektion vor und hast damit recht. Wie ich diese Schwärze und Dunkelheit in mir hasse, die du aufgewühlt hast. Als hättest du eine alte Flasche Wein geschüttelt.
Doch stehst du dabei auch vor der Projektion deiner Zerissenheit auf mich. All diese Dinge, die du dir zutiefst herbeisehnst und die du als „normal“ so verachtest, dich nicht berühren lassen willst. Wir reflektieren uns selbst in unserer Sehnsucht nach Gier und Leidenschaft und Schmerz und alles versengender Liebe und quälender Zärtlichkeit und lecken uns gegenseitig das Blut von den Lippen. Und in tiefer Angst vor dem, was du in mir siehst und was aber Du bist, zuckst du vor mir zurück, der hinter dem Spiegel steht, die Arme verzweifelt nach dir ausgestreckt, und das nicht versteht.Weiterlesen »

Die tiefe See

Ich war bereit, von dir zu lernen. Alles hätte ich lernen wollen. Alleine der Gedanke, daß ich, ein nicht ganz unerfahrener Mann unterwegs Richtung fünfzig, von dir etwas lernen kann, faszinierte mich. Mir was beibringen. Eine im großen und ganzen sexuell unausgereifte Neunzehnjährige. Oder sollte ich sagen, sexuell verwüstet? Verbogen?
Aber das war es immer für mich. Sex bedeutet immer, zu lernen. Was mag der andere, was nicht. Wie reagiert er auf bestimmte Dinge? Dieses Spiel des Ausprobierens und Weiterentwickelns war es, das ich gerne mit dir gespielt hätte. Und du mit mir. Es gab einige Momente, in denen du nicht gelogen hast bei dem, was du zu mir sagtest. Ich hätte so gerne alles an Liebe in dich hineingestreichelt, was ich nur da habe. Oder hatte, zumindest.

Wenn ich Bilder aus deinem Kopf haben will, muß ich sie dir immer stundenlang aus der Nase ziehen. Meistens habe ich dabei wenig Erfolg.  Aber manchmal, manchmal bekomme ich dich dazu, ungeschminkt und ungefiltert das zu sagen, was an Vorstellungen und Farben in deinem Kopf herumfällt. Ich reite Überraschungsangriffe und habe daran sogar Spaß. Es sind letztlich Worte. Mit Worten bin ich manchmal ganz gut. Immer wieder finde ich Zugang zu den Türen in deinem Geist. Aber oft hast du gar nicht mit mir geredet in solchen Momenten. Du bleibst oberflächlich. Ohne Tiefe und ohne Kontur.

Du nimmst meine Gefühle, die in all diesen Bildern liegen. Dann saugst du sie auf. Du frißt sie, um dir selber nicht so gefühlstot vorzukommen. Du bist wie ein verfluchter See, in den ich Steine hineinwerfe und dessen Oberfläche dann keine Wellen schlägt. Stumm und schwarz liegt er da und spottet mit seiner Unbewegtheit all meinen Bemühungen.Weiterlesen »

Achtundzwanzig

Achtundzwanzig Tage. Vor achtundzwanzig Tagen wußte ich noch nicht einmal, daß Du existierst. Das eine Person wie Du überhaupt existieren kann.
Alles beginnt vollkommen harmlos, eigentlich sogar lächerlich. Ein Kommentar unter einem Blog. Ein Vorgang, der in der digitalen Hektikwelt des Jahres 2015 eigentlich nicht mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollte als die wenigen Mikrosekunden, die das weltweite Datennetz braucht, um die wenigen Byte zu verarbeiten. Zu verdauen und zu vergessen.
Dann beschließt jemand, dem anderen Jemand einen Kommentar zu dem Kommentar zu geben. Woraufhin eine diese anderen digitalen Idiotien der aktuellen Zeit ins Spiel kommt, nämlich Facebook. Auf einen Kommentar folgt ein virtuelles Befreunden, denn dann kann man sich gegenseitig mit irgendwelchen Nachrichten vollspammen. Das ist neudeutsch für „sich gegenseitig Text um die Ohren hauen“.

Im Grunde beginnt die ganze Geschichte, der ganze Einhornirrsinn, mit dem eigentlich lapidaren Satz: „Privatgespräche mit interessanten Personen? Na, da bin ich ja gespannt.“

Das sind quasi die ersten Worte, die Du an mich richtest, nach dem virtuellen Handshake, der ebenfalls das Weltnetz nicht wirklich großartig Zeit gekostet hat oder Mühe. Oder irgendwie ungewöhnlich wäre. Alles in allem ebenfalls ein extrem banaler Vorgang. An Belanglosigkeit nicht zu überbieten, wenn man es genau betrachtet.
Ich gebe Dir einen Ratschlag bezüglich des Schreibens von Texten, denn genau darum geht es eigentlich. Aber so etwas diskutiert man eben nicht in Kommentaren aus, das macht man hinter den Kulissen.Weiterlesen »