Du warst niemals schöner, Herbst

Das gnadenlose Glühen der Sonne hat nachgelassen. Nachts kann ich wieder schlafen, ohne dabei in meinem Bett langsam zu ertrinken oder im eigenen Saft vor mich hin zu köcheln.
Noch immer ist der endende Sommer warm. Auch heute erstreckt sich wieder wolkenloses Blau über meinem Kopf. Unter den Reifen meines Transportmittels erstreckt sich immer noch betonharte Erde. Der einzige Unterschied zwischen dem Asphalt der Straße und den Feldwegen ist, daß die Feldwege glatter sind hier in dieser Stadt.

Der Flieder blüht. Schon wieder. Und ich liebe den Duft von Flieder. Früher verkündete er für mich Sommer. Heute verkündet er das Heraufdämmern des Herbstes. Jedenfalls auch. Noch immer lassen alle Büsche und Bäume auf meinem Weg ihre Äste und Blätter hängen. Es ist zu trocken, selbst für diese Gegend hier.
Doch ich bin in Bewegung. Wochenschwere Bleifesseln depressiven Dahindümpelns verwandeln sich in leichte Seide. Ich suche noch immer Entspannung im kühlenden Fahrtwind. Im Rhythmus meines Atems. Sogar dem meines Herzens, dem ich so sehr mißtraue. Ich suche wieder diesen Moment aus Ruhe und Fluß. Ich hatte ihn so lange vermißt, während du Teil von mir warst.Weiterlesen »

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Kopfherbstfarben

Diesmal möchte ich mich selber anbrüllen, mir ins Gesicht schreien, was ich doch für ein leichtgläubiger Idiot war. Das es Unsinn war, auf dich hereinzufallen. Das ich es schon ganz am Anfang bemerkt hatte. Ich habe es sogar schriftlich. Ich habe es dir gesagt und mir eigentlich auch. Aber du hast mich zurückgehalten und ich wollte mir nicht zuhören.
Ich trete schneller in die Pedale. Mehr Geschwindigkeit. Mehr sonnige Herbstluft, die an mir vorbeirauscht. Mehr Rausch in meinem Blut. Schweiß. Herzschlag. Mit zunehmender Geschwindigkeit fahre ich dir davon. Aber es funktioniert nicht sonderlich gut.

Immer wieder tauchst du vor mir auf. Doch das ist gelogen. Du bist in mir drin. In meinem Kopf. Ich werfe dich vor mir auf den Asphalt, auf den Himmel, auf die Weinstöcke in der Landschaft. Wohin immer ich sehe, bist wieder du. Dein verdammtes, angemaltes Puppengesicht, gestylt für deinen Herrn und alle Menschen der Umgebung. Fassadengesicht. Ich würde dieses Gesicht hassen, ich hasse es sogar, das zumindest gelingt mir. Es ist das Wissen um das andere Gesicht darunter, das es mir unmöglich macht, dich zu hassen.Weiterlesen »