Ungesagt

So bleibt am Ende dann
alles Ungesagte ungesagt
Alle Gelegenheiten verpaßt
Endgültig unwiderruflich für immer
Nur Leere
Wo du mal warst
Bleibst du für immer fort
Dreh ich mich weg und geh allein
Hinein in mein eigenes Dunkel
Ohne dich für den Rest der Zeit
Niemals warst du wirklich hier
doch verbleibst du in mir
Für den Rest meiner Ewigkeit.

21.11.2016 © by A.S.


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Eselhorn

Ich bin auf einem Langstreckenlauf. Aber jedes Mal, wenn es so aussieht, als käme ich dem Ziel näher, verlängert jemand die Strecke. Hase und Igel.
Wie auf einem Schachbrett werde ich hierhin und dorthin geschoben, ganz nach Belieben. Allerdings weiß ich manchmal nicht, ob ich Figur bin oder Spieler. Ob es meine Hand ist, die führt oder eine andere, die mich berührt.

Aber im Gegensatz zu einer Figur bin ich mir des Spielfelds bewußt. Ich weiß allerdings nicht, ob ich es in seiner ganzen Größe sehe. Und wie sind die Regeln des Spiels? Gibt es überhaupt welche? Oft habe ich den Eindruck, daß die Regeln beliebig sind. Das du sie formulierst, wie es dir paßt. Daß es deine Hand ist, die manipuliert.Weiterlesen »

Die Einhorn-Dialoge: Ungeküßt

„Sie ist immer so früh wach“, sagt das Fabeltier und glitzert vorwurfsvoll, während wir morgens im Bad versuchen, uns in vorzeigbare Menschen zu verwandeln. Oder in vorzeigbare Einhörner, versteht sich.

„Ja. Weiß ich. Ich verstehe es ja auch nicht. Einfach mal liegen bleiben wäre nicht schlecht. Vor allem, wenn sie ja gar nicht früh raus muß. Kuscheliges Bett und so.“

„Würdest du sie hinterunters Ohr küssen, wenn du gehst?“

„Natürlich würde ich das, du blödes Fabeltier. Immer.“

„Weißt du, was ich gerne mal von ihr hören würde?“

„Die Antwort auf: ’Mir fällt so einiges dir gegenüber ein, aber das ist heute der falsche Tag dafür. Dann fange ich sofort an zu heulen.’ ?“

„Schtimmt. Woher weischt du dasch?“ fragt Einhorn mit der Zahnbürste im Mund.

„Du bist wir. Also ich. Schon vergessen? Ich wüßte gerne mal, was ihr einfiele, gäbe es den richtigen Tag jemals. Sie hat uns das niemals verraten. Sie hat uns so vieles nie verraten. Die ganzen Bilder aus meinem Kopf…“

„Unfferem Kopff…“

„…unserem Kopf, die sie von uns bekommen hat. Und nie kam etwas zurück.“

„Na ja, manchmal schon“, sagt das Einhorn und beginnt, sich die schlafzerzauste Mähne zu kämmen. „Manchmal hat sie schon gesagt, was in ihr so vorgeht.“Weiterlesen »

My bloody Queen of Hearts

Du kannst wild um dich schlagen in deinem Innern und dich nicht schneiden. Du kannst es tun und dir damit eine gewisse Erleichterung verschaffen. Ein Ventil. Einen Kontakt zur Realität. Einen Cooldown. Klarheit. Aber dazu müßtest du gegen Regeln verstoßen.

Egal, was du tust oder nicht tust. Am Ende wird es immer wieder die Klinge sein an deinem Handgelenk. Die Flasche Wein am Abend. Die zitternd angezündete Zigarette auf dem Balkon. Der Albtraum morgens um vier, der dich wachprügelt und nicht mehr schlafen läßt, bis du über deine Augenringe stolperst.
Irgendwann wird es die Klinge am Hals sein. Blutende Narben auf deinem Rücken, irgendwo zwischen deinen Tattoos und Piercings, die deine Ersatzbefriedigung geworden sind. Tropfendes Blut auf dem Boden in den großen Hallen in deinem Innern, langsam versickernd im Staub. Rorschachmuster aus Schmerz und Grauen.Weiterlesen »

Die Einhorndialoge: Depressiver Realismus

‚Sie ist schon süß, oder?‘, sagt das Fabeltier zu mir und knufft mich in meiner Depression mit diesem wissendem Blick in die Seite, den ich so sehr hasse, während es genüßlich die letzten Glitzerluftschlangen von Silvester auffrißt. Einhörner sind nämlich Glitzer-Wiederkäuer, das wissen die wenigsten.

‚Das beschreibt es nicht annähernd. Sie war mein Wunder‘, sage ich, ohne mich dabei von der ensetzlichen Fröhlichkeit des Fabeltiers auch nur im geringsten in meiner Embryonalhaltung auf dem Sofa stören zu lassen.

‚Sie ist es also nicht mehr?‘

‚Nein. Nein, ich denke, nicht.‘

‚Sie hat uns aus ihrem Kopf vertrieben, nicht wahr?‘

‚Ich weiß nicht, ob sie das war. Oder er. Aber ja. Wir wohnen da nicht mehr.‘Weiterlesen »

Moment des Stolperns

Dieser eine Satz. Hätte ich diesen einen Satz vor zwei Jahren nicht geschrieben. Hätte dieser eine Moment nicht existiert. Die neun Stunden Zugfahrt nur sechs Tage später. Sechs Tage, die ich so gut wie ununterbrochen mit dir am Telefon verbrachte. Die Gestalt mit dem Smartphone am Ohr, die aus dem Dunkel auf mich zugelaufen kam an diesem Bahnhof in dieser verdammten Stadt am anderen Ende des Landes. Dieser Bahnhof, der nicht so viel anders aussah als der, von dem ich losgefahren war. Aber hier konnte man das Meer riechen. Hier gab es dich.

Wie ich meine Jacke aufgemacht habe, weil du sagtest, dir wäre so kalt. Wie du deine Arme um mich legtest, unter der Jacke. Dieser Geruch deiner Haare. Dein Geruch. Meine Arme, die sich ganz langsam um dich legten. Ganz vorsichtig an mich drückten. Ich wollte dich nicht zerbrechen. Wollte nicht, daß du dich einfach in Nichts auflöst. Träume lösen sich doch immer in Nichts auf.

Es hätte all das nie gegeben.Weiterlesen »

Die Einhorn-Dialoge: Ungefühlig

„Du könntest sie hinterunters Ohr küssen und ihr was zuflüstern. Damit deine Stimme das letzte ist, was sie hört, bevor ihr Unterbewußtsein mit dem Träumen beginnt“, sagt das Fabeltier zu mir und glitzert dabei fröhlich vor sich hin. Überhaupt war es in den letzten paar Tagen geradezu manisch fröhlich.

„Würde ich tun. Wäre sie hier. Ist sie aber nicht. War sie nie. Wird sie nie sein. Und ihr Unterbewußtsein träumt seltsame Dinge von mir. Zumindest war das mal so. Abgesehen davon haben wir gar keinen Platz mehr in ihrem Kopf. Oder woanders. Falls dir das nicht aufgefallen sein sollte.“

Ich bin nicht manisch fröhlich in den letzten Tagen, wie ich beim Blick in den Spiegel unschwer erkennen kann. Ich stelle fest, daß sich eigentlich an deinem Verhalten nichts geändert hat. Im Grunde hat es das nie wirklich.
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Kopfherbstfarben

Diesmal möchte ich mich selber anbrüllen, mir ins Gesicht schreien, was ich doch für ein leichtgläubiger Idiot war. Das es Unsinn war, auf dich hereinzufallen. Das ich es schon ganz am Anfang bemerkt hatte. Ich habe es sogar schriftlich. Ich habe es dir gesagt und mir eigentlich auch. Aber du hast mich zurückgehalten und ich wollte mir nicht zuhören.
Ich trete schneller in die Pedale. Mehr Geschwindigkeit. Mehr sonnige Herbstluft, die an mir vorbeirauscht. Mehr Rausch in meinem Blut. Schweiß. Herzschlag. Mit zunehmender Geschwindigkeit fahre ich dir davon. Aber es funktioniert nicht sonderlich gut.

Immer wieder tauchst du vor mir auf. Doch das ist gelogen. Du bist in mir drin. In meinem Kopf. Ich werfe dich vor mir auf den Asphalt, auf den Himmel, auf die Weinstöcke in der Landschaft. Wohin immer ich sehe, bist wieder du. Dein verdammtes, angemaltes Puppengesicht, gestylt für deinen Herrn und alle Menschen der Umgebung. Fassadengesicht. Ich würde dieses Gesicht hassen, ich hasse es sogar, das zumindest gelingt mir. Es ist das Wissen um das andere Gesicht darunter, das es mir unmöglich macht, dich zu hassen.Weiterlesen »

Restlicht

Es kommen dunklere Tage.
Jetzt, wo mir nichts bleibt von dir aus dieser grauen, gestaltlosen Leere, wo vorher dein Bild war.
Jedesmal, wenn ich über etwas lachen will oder lächeln, kommt dieser Gedanke, daß dir das gefallen hätte oder das du jetzt auch lächeln würdest, wärst du denn noch da. Doch das ist Blödsinn. Du warst es ja niemals.

Trotzdem verläßt mich dieses Gefühl nicht, daß du fort bist. Irgendwo, weit weg, in einer unerreichbaren Ferne, über die meine Gefühle nicht hinwegreichen. Sie haben es in Wahrheit nie getan.
Du wolltest nichts und schon gar nicht von mir. Dafür wiederum warst du erstaunlich hartnäckig darin, mir vorzumachen, ich wäre doch etwas für dich. Jemand. Nichtsahnende Beobachter hätten manchmal schlußfolgern können, daß du mich liebst.Weiterlesen »

Unbedacht

Wie ich niemals an dich denke. Bei diesem schönen steinernen Deko-Herz. Beim Blick auf den Kalender, der mir sagt, daß du schon wieder Geburtstag hast. Eingehüllt in Schweigen, wie im letzten Jahr. Oder die Arme deines Sklavenherrn. Wie auch immer. Ich denke nicht daran. Sage kein Wort. Denke nicht daran, dir was zu sagen. Zu schreiben. Welchem Zweck sollte das dienen?

Ich lächle auch nicht bei dieser Ausgabe von Anna Karenina, die mir in der Bibliothek in die Hände fällt. 1959. Die Ausgabe ist älter als ich. Älter als mein Bruder sogar. Sie würde dir gefallen, denkt sich ein Teil von mir. Ganz kurz nur denkt er das, und ich läche. Kurz.

Ich dachte nie an dich, als ich Cobains Tagebücher kaufte. Als ich das Känguruh wegräumte, von dem ich vorher noch zu dir sagte: „Es steht immer hinter mir.“
Du wolltest mir damit etwas sagen. Aber wie immer hast du es nicht getan.
Jetzt steht es da nicht mehr. Und als du es bemerkt hast, hast du nicht etwa danach gefragt. Du hast gesagt, wie süß doch das Schaf sei. Denn das stand auch immer hinter mir in meinem Wohnzimmer. Und das tut es immer noch.Weiterlesen »