Im Innern nur Splitter

Liebe ist nicht, jemanden verändern zu wollen. Liebe ist, jemanden die Möglichkeit zu geben, die beste Version seiner selbst zu werden, die überhaupt möglich ist.
So ging es mir mit dir. Meine Absicht war es von Anfang an, dein Werden zu begleiten.
Aber du hast dich reduziert. Du hast dich verkleinert auf einen Teil von dir. Auf ein lächerliches, widerwärtig devotes Sklavenmädchen, das um jeden Preis beherrscht werden will. Ein Ding.

Aber jedes Mal, wenn du dich darüber beschwerst, daß er irgendwelche Regeln nicht einhält, frage ich mich, wer sich da eigentlich beschwert. Das Sofa wird nicht gefragt, bevor sich der Besitzer setzt. Wie kannst du auf den absurden Gedanken kommen, daß ein Mann, dessen Haupteigenschaft du selbst als sadistisch beschreibst, jemals dauerhaft irgendwelche Regeln einhält, die von einem Möbelstück eingefordert werden?
Wie kann eine Willensäußerung überhaupt einen Wert haben in so einem Moment, wenn dein erklärter Wille es ist, gar keinen zu haben? Keine eigenständige Persönlichkeit zu sein, sondern ein Werkzeug?
Wenn völlige Unterwerfung das Ziel ist, bedeutet das auch Auslöschung. Ein Hammer hat keinen eigenen Willen. Keine Wünsche. Und wie sollte die erfolgen, wenn nicht durch totale und absolute Demütigung?Weiterlesen »

Traum des Narren

Ich möchte immer in ihrer Nähe sein, was ich aber leider in 99,9 Prozent aller Fälle nicht bin, da diese großartige Frau aus meiner Sicht etwa schräg links hinter dem Nordpol wohnt. Jedenfalls ähnlich weit weg. Also stelle ich mir ständig vor, daß ich in ihrer Nähe bin. Beim Einkaufen zum Beispiel. Oder wenn sie mit dem Smartphone vor ihrer entzückenden Nase die Treppen runterläuft, wobei ich jedes Mal die Sorge habe, daß sich ihre Füße verheddern und sie furchtbar stürzt, denn manchmal kann sie sehr tolpatschig sein. Ein Wesenszug, den ich aus persönlicher Erfahrung nachvollziehen kann.

Aber am liebsten in ihrer Nähe bin ich, wenn sie sich die Decke in ihrem Bett bis zu den Ohren hochzieht und sich auf die Seite dreht, in ihre übliche fötale Schlafhaltung. Löffelchenstellung hat etwas sehr Erotisches und sie hat dafür auch die entsprechenden Kurven an den exakt richtigen Stellen, was natürlich meine Freude daran, mit ihr im Bett zu liegen – oder mir das zumindest vorzustellen – auch nicht gerade verringert.
Und wenn sie dann ihre Arme um den riesigen Flauschhund legt, der in ihrem Bett etwa 27 Prozent des verfügbaren Raums einnimmt, dann lächelt sie manchmal sogar, worüber ich mich unbändig freue.

Natürlich kämst du niemals auf die Idee, deine Arme um mich zu legen oder dich in meine Richtung zu drehen, denn das wäre einfach zuviel der Zuneigung und würde vermutlich heftige allergische Niesanfälle auslösen. Wenn ich denn da wäre. Aber auch, wenn ich es nicht bin.Weiterlesen »

Nur ein Moment

Dieser Moment, in dem ich zum ersten Mal deine Stimme hörte. Der Moment, in dem ich wußte, daß ich diese Stimme immer wieder würde hören wollen.
Zum ersten Mal hattest du an Realität gewonnen. Keine getippten Sätze im digitalen Raum. Kein Bild, das zwar genauso Dinge zeigt wie früher ein Photo. Aber trotzdem bleiben digitale Bilder eben digitale Bilder. Man kann sie nicht greifen. Sie haben keine physische Substanz. Und das merkt man den Bildern, mit denen Millionen Menschen die Welt fluten, auch an.

In einer immer flüchtigeren und unwirklicheren Welt war deine Stimme der erste echte Kontakt. Funken auf Schießpulver. Der Lichtbogen für den Raketentreibstoff. Bereits in diesen Sekunden stellte ich mir vor, wie es wäre, diese Stimme neben mir zu haben. Morgens beim Aufwachen. Während du mich aus deinen verschlafenen Bambiaugen anblinzelst. Dieser unwirkliche Blick unter zerwühlten Haaren hervor.Weiterlesen »

Die dunkle Seite der Sonne

Solltst du dich jemals entschließen, doch die Person zu werden, die du bist, denk an mich. Falls du jemals die Gitterstäbe dieses verdammten Käfigs in deinem Kopf zersägst und nach draußen trittst. Falls du es jemals hinbekommst, eine Verpuppung zu sein und keine steckengebliebene Metamorphose zu dir, denk an mich.

Denk einmal daran, daß es da draußen irgendwo einen Menschen gibt, der dich aufrichtig liebt. Jetzt. Hier. In diesem Moment. Einfach, weil Du eben Du bist.
Der deinen irren, orientierungslosen, mit Wald und Bäumen überfüllten Kopf liebt, weil es deiner ist. Dein Kopf, in dessen Wuschelhaare ich meine Hände vergraben möchte und dich festhalten und dich küssen, bis uns beiden die Luft ausgeht. Jemand, der sogar die Seite deines Selbst liebt, die er eigentlich so abgrundtief verachtet. So lange du dich nicht von ihr beherrschen und zu einem Zerrbild deiner selbst machen läßt.
Denk einmal daran, daß dieser Jemand das Leuchten deines ganzen Geistes liebt und nicht nur eine Wahnvorstellung davon, die man sich zurechtformt, um sie dann beherrschen zu können. Oder seine eigenen sadistischen Triebe daran auszuleben. Das Glitzern der Facetten ist viel faszinierender als der polierte Glasball, der nur reflektiert.

Ich bin jemand, der Chaos und Ordnung zu schätzen weiß. Der weiß, daß das eine ohne das andere nicht existent sein kann. Und es auch nicht ist. Das Universum ist kein paranoider Kontrollfreak und auch kein lachender Wahnsinniger außerhalb aller Regeln. Das Universum ist Batman und der Joker. Immer. In jedem von uns, die der Gesellschaft als irgendwie seltsam gelten.Weiterlesen »

Optional

Du spielst mit mir. Du spielst mit mir, weil du es willst und weil es für dich dazugehört. Du tust das, weil es deine Art ist, um andere Menschen dazu zu bringen, dich zu dominieren. Denn das ist es ja, was du willst: Dominiert werden.
Allerdings sagst du auch zu mir, daß du ihm gegenüber ein Objekt bist und damit glücklich. Offensichtlich ist es das, was du willst. Aber mir gegenüber willst du das nicht sein. Kein Objekt. Kein Haushaltsgegenstand. Was ich durchaus begrüße, da ich keinen größeren Sinn darin erkennen kann, einem Haushaltsgegenstand Gefühle entgegenzubringen.

Automatisch wirft mein Gehirn aber eine neue Frage in den Raum: Wenn du mit mir spielst, um dich dominieren zu lassen, wie kannst du dann für mich kein Objekt sein wollen?
In der Konsequenz ergibt sich daraus wieder, daß du mit mir spielst, weil du es kannst. Du weißt genau, daß es keine Konsequenzen haben wird, da du ja niemals in meiner Nähe bist. Was du auch nicht vorhast. Deine Hand hält mir die Karotte hin und sie zieht sie auch wieder weg.

Du hast davon geredet, mir entgegenzukommen. Aber bei was genau? Und wie sollte das aussehen? Wir reden ja nicht über eine Rabattstaffel beim Einkauf. Du hast etwas von kleinen Schritten gesagt, um mich nicht zu verlieren oder zu vergraulen.
Aber warum du mich nicht verlieren willst, hast du nicht gesagt. „Ich mag dich“  oder „Du bist süß“ sind deine üblichen Antworten. Waren sie immer. Und ob das denn nicht genug sei. Ein Welpe ist auch süß. Das du mich in deiner Borderline-Wattewelt niemals so lieben würdest oder wirst wie ich dich liebe, ist mir inzwischen auch längst schmerzhaft klar. Aber mögen? Du magst auch Kaffee mit Himbeeraroma.Weiterlesen »

Gespräch mit Gestern

„Du liegst auf der Seite, an Hund gekuschelt und die Brille hast du vorher schon abgenommen“, sage ich.
„Ja“, sagst du.
„Woher ich das nur weiß?“, sage ich.

Und ich kann das Bild tatsächlich in diesem Moment vor mir sehen. Wie du auf der Seite liegst, deine blasse Haut unter dem Licht deiner Weihnachtslichterkette, die in dein Bettgitter gewoben ist. Wie du das verdammte Telefon an dein Ohr hältst und die Augen geschlossen hast, während du mit mir redest. Oder wie es neben dir liegt, auf dem anderen Kopfkissen. So, als wolltest du mich tatsächlich dort haben. Ich schwebe geradezu über dir und sehe nach unten auf diese Szene. Ich bin immer noch in deinem Kopf. Es hat nur Sekunden gedauert, dorthin zu kommen. Fast wie früher. Fast wie immer.

Wie du mir immer sagst, du wüßtest nicht, wer da gerade noch Bilder oder Nachrichten zu dir schickt, wenn ich den Alarm deines Smartphones höre beim Telefonieren. Und wie ich weiß, daß du mich gerade wieder belogen hast und es mir nur nicht sagen willst. Das ist genau wie früher.
Ich denke, Du weißt sehr wohl, wer dir gegen Mitternacht noch Nachrichten im Minutentakt schickt. Wer sollte es sein, wenn nicht dein Herr? Du redest wieder einmal nur nebenbei mit mir und tust so, als wäre das ein irgendwie intimes Gespräch.

Plötzlich hatte mein Telefon geklingelt, gestern abend. Nachdem ich dir unvorsichtigerweise vorher wieder einmal auf eine Nachricht geantwortet hatte, schon eine Weile her. Ich hätte sie hinnehmen sollen und nichts dazu sagen. Aber dumm, wie ich bin, mußte ich antworten. Habe sogar selber wieder Kontakt initiiert. Über mehrere Tage haben wir uns über die Entfernung Belanglosigkeiten zugerufen. Kaum bist du wieder allein zu Hause, werde ich plötzlich wieder interessant für dich.Weiterlesen »

Kleine Gesten

Ich fühle, wie ich schon wieder in diesen schwarzen, düsteren Strudel hineingesogen werde, der sich immer um dich herum zu bilden scheint.
Ich denke an dein Lachen und deine Augen und wäre bereit, alles zu tun, um dich wirklich bei mir zu haben. Wenn ich dazu Ozeane trockenlegen muß oder Kontinente versenken, werde ich einen Weg finden. Alles nur eine Frage der Zeit.

Ich will dir vertrauen. Ich will unbedingt daran glauben, daß du all das ernst meinst, was du zwischendurch sagst. Ich will glauben, daß du mich wirklich küssen möchtest, wenn du mir virtuell wieder ein Emoji zuwirfst, das genau diese Aufgabe für dich übernimmt. Ich will, daß du wirklich das fühlst, was du mir schreibst. Das all das aus einem Gefühl echter Liebe von dir zu mir resultiert.

Aber ich traue mir nicht. Ich sehe mich schon wieder blind und mit abwesendem Lächeln auf den Abgrund zulaufen, auf den Wassergraben mit den Piranhas und den Krokodilen zu. Ich denke an die eingesprochene Prosaperformance, die ich dir geschickt habe. Ein Lieblingsstück von dir. Ich habe es spontan aufgenommen und dir am Ende gesagt, daß ich dich liebe. Dieses fiese L-Wort, das du nie erwähnst mir gegenüber.

Wie ein dummer Schuljunge warte ich auf eine Reaktion. Ich bettle um eine Reaktion. Schwitzend stehe ich im Flur meiner Angebeteten, die Blumen in der Hand, und frage mich, wie ich aussehe. Ob dir die Blumen gefallen werden. Ob du mich überhaupt richtig ansiehst.
„Das habe ich verdrängt“, sagst Du, als ich endlich mal eine Antwort von dir bekomme. Wie ein Schlag ins Gesicht. Ich habe mich wieder so offen aufgestellt vor dir. Nackt und ohne Deckung.
Ich habe wieder eine Geste in deine Richtung gemacht. Eine für mich gefährliche Geste. Gegen jede Vernunft. Und alles, was ich bekomme, ist kalte Ignoranz. Blumen, die auf die Anrichte gelegt werden und verwelken. Niemand sucht eine Vase.

Die Stimme in mir ist voller ätzender Bitterkeit. „Das hättest du dir auch mal wieder ersparen können.“ Ja. Hätte ich. Ich hätte es mir sogar ersparen müssen. Aber ich habe es nicht. Hundetmal habe ich diesen Unsinn gefühlt verworfen in meinem Kopf. Ich habe es noch verworfen, als ich schon dabei war, den Text zu sprechen. Ich kann nicht anders. Immer wieder versuche ich, deinen beschissenen Panzer mit meinen Fäusten zu zertrümmern. Immer wieder brülle ich draußen vor deiner Seele, bis ich heiser bin vor Zorn. Vor kochender Wut, aus Verzweiflung heraus geboren.

Ich kann dich mir nicht abgewöhnen, so sehr ich das auch versuche. Dieser sengende Schmerz in meinem Innern wird immer stärker mit dir. Wie das Knistern einer Hochspannungsleitung an einem nebligen Tag. Wie sehr ich mich dafür hasse, dich immer noch zu lieben.

Zuletzt geliebt

Ich mag dich gar nicht. Ich liebe dich. Ich liebe jeden Quadratzentimeter von dir. Deine wunderhübschen Brüste, die du nachts immer in einem völlig unnötigen BH einsperrst. Deine Beine, an denen man sich großartig nach oben massieren kann. Diesen Prachthintern, den du da in Leggins gehüllt durch die Gegend trägst. Deine Ohren, deinen Hals, den Schwung deiner Hüfte und diese wunderschönen Kurven deines Gesichts. Deine Porzellanhaut. Am allermeisten mag ich aber den Verstand, der da in diesem Kopf steckt und der so scharf ist, daß du dich oft selbst daran schneidest. Am allerallermeisten mag ich diese prachtvollen Augen, durch die ich deine Seele erkennen kann, mein Wunder.

Ich vermisse dich seit Monaten jeden Tag und jeden Tag ein bißchen mehr. Mir fehlt deine Stimme. Wenn ich sie nicht hören kann, ist sie in meinem Kopf. Wenn ich beim Radfahren vor mich hin träume, sehe ich dein Gesicht überall. So liebe ich dich. Jeden Tag. Und du weißt das auch. Denn in meiner grenzenlosen Naivität und nervtötenden Romantik habe ich es dir gefühlt neun Dutzend Male auf deine hübsche Nase gebunden.
Du willst es nur nicht verstehen. Du traust dich nicht. Du vertraust mir nicht. Du glaubst mir nicht. Du traust dir nicht. Du schämst dich dafür, daß jemand dich so sieht wie ich. Du hältst es für völlig absurd, daß jemand dich  überhaupt so sehen könnte. Aber trotzdem ändert das nichts. Ich liebe dich einfach. Ich kann da sehr starrsinnig sein. Ich habe jahrelang mit mir selber gerungen und dabei nicht immer Remis gespielt. So etwas geht nur mit ausgesprochenem Starrsinn.Weiterlesen »

Falsche Prognose

Ich sage irgendwann am Telefon zu dir den Satz: „Ich bin irgendwie davon überzeugt, daß wir uns noch einmal sehen werden.“
Du antwortest: „Das glaube ich aber auch.“

Schnell. Spontan. Ohne lange zu überlegen. Als wärst du wirklich davon überzeugt. Vielleicht bist du das in diesem Moment sogar.

Fast habe ich mir in den letzten Tagen erlaubt, wieder so etwas wie Hoffnung aufkommen zu lassen in meinem Innern. Aber in diesem Augenblick hat sich das dann wieder erledigt.
Schmerzerfüllt zucke ich vor dir zurück, fliehe so schnell ich kann und lasse alle Gitter fallen hinter mir. Lautstark verfluche ich meine eigene Leichtsinnigkeit, diese Gutgläubigkeit dir gegenüber. Wozu machte ich mir all diese Mühe? Wozu einem Möbelstück ohne eigenen Willen Aufmerksamkeit schenken?

Ich versuche, wieder zu Atem zu kommen. Es mir nicht weh tun zu lassen. Kühle, rationale Stille in mir auszubreiten. Doch es gelingt mir nicht. Ich habe gerade die Fäden aus einer Wunde gezogen, die noch längst nicht verheilt ist. Und so sehr ich auch meine Hände draufdrücke, quillt mir doch dunkles, fast schwarzes Blut zwischen den Fingern hindurch. Der Schmerz läßt mich aufkeuchen.

„Das hier wird keine einmalige Sache, oder?“
Hast du mich gefragt. Vor gut 14 Monaten. Fast einer deiner ersten Sätze zu mir am Telefon. Ein Anflug von Angst in deiner Stimme. Als wolltest du dich vergewissern, das all das wirklich passiert. Das du nicht wieder von jemandem benutzt werden wirst.

Ich habe dir versichert, daß es das nicht ist. Nicht werden würde. Nicht sein sollte. Und das war die Wahrheit. Es ist immer noch die Wahrheit. Doch ich habe mich getäuscht. Wir haben uns nie wiedergesehen. Werden es nie. Letzten Endes war es eben doch eine einmalige Sache.

Druckpunkte

Man kann Klammern an einen Deckel machen und so tun, als würde dadurch der Druck im Topf irgendwie geringer. Aber das ist nicht der Fall. Der Druck nimmt weiter zu und der Inhalt wird sogar noch heißer als vorher. Das ist nicht weiter tragisch. Es sei denn, irgendwas geht mit dem Sicherheitsventil schief. Falls es überhaupt eins gibt. Dir geht es nicht besser, seitdem du – in deinen eigenen Worten – eine Beziehung zu einem bedingungslosen Sadisten führst. Das erzählst du dir selbst und anderen gerne. Aber gelogen ist es trotzdem.

Du hast dich verändert seitdem. Das stimmt. Wobei es nicht so sehr du selbst bist, die sich verändert hat. Es sind deine Gewohnheiten. Die Frau, die mir noch vor ein paar Monaten gesagt hat, sie schliefe nie nackt, tut heute genau das. Sogar dann, wenn du alleine in deinem Bett liegst. In seinem verdammten Bett sowieso.Weiterlesen »